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Wir haben für dieses Heft einige schwer zugängliche Texte (sowie eine unveröffentlicht gebliebene Arbeit) von Alexander Mitscherlich ausgewählt1, deren Konstellation die intellektuelle Physiognomie des Arzt-Philosophen, der über Jahrzehnte hin den Impulsen der Freudschen Aufklärung treu blieb, unverwechselbar kenntlich macht.
Bereits die Bemerkungen des 37jährigen zu dem im November 1945 begonnenen Verfahren des Internationalen Militärtribunals gegen die NS-Kriegsverbrecher galten seinem Lebensthema »Geschichtsschreibung und Psychoanalyse«: Weil die in Nürnberg verhandelten Untaten, wie sie in den Prozeßakten festgehalten sind, das Vorstellungsvermögen überschreiten, bedarf es ihrer Verlebendigung durch Rückübersetzung der Realien in Personalien. Die Psychoanalyse, eine durchreflektierte Kunst der Erinnerung und Sinndeutung, vermag es, Geschichtskenntnis auch als Personenkenntnis zu vermitteln. Wäre es möglich, mit den Angeklagten psychoanalytische Dialoge zu führen (in denen es ja immer darum geht, bloße Posen durch Einsichten zu erschüttern), so könnte der Prozeß Zeitgenossen und Nachgeborene lehren, daß die Katastrophen unseres Jahrhunderts menschgemacht sind - und insofern von geschichtswendender Bedeutung sein.
Die folgenden drei Texte sind (in späteren Auflagen nicht mehr enthaltene) Vor- und Nachworte zu der von Mitscherlich und seinem (1959 verstorbenen) Mitarbeiter Fred Mielke erstellten Dokumentation über einen anderen Nürnberger Prozeß, das Verfahren des 1. Amerikanischen Militärgerichtshofs gegen 23 SS-Ärzte und Wissenschaftler (9. 12. 1946-19. 7. 1947). Mitscherlich und der Medizinstudent Mielke wurden in die »Deutsche Ärztekommission«, die entsprechend dem Beschluß des 51. Deutschen Ärztetages im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern dem Verfahren beiwohnen sollte, entsandt, da keiner der damals prominenten deutschen Ärzte sich dazu bereit fand, diese Aufgabe zu übernehmen. Das »Vorwort« zu der noch während des Prozesses (für ärz