You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Landauf, landab wird zweierlei von der Polizei gefordert: sie soll der Schlagstock der Nation, der Knüppel aus dem Sack im 24-Stunden-Dienst sein, und sie soll die personifizierte Intelligenz darstellen. Nämlich immer das Gras wachsen hörend, schon früh voraussehend, wann »hart«, »entschieden«, »unnachgiebig« »durchgegriffen« werden muß. So liest man es in unseren Zeitungen, so sagt es die vox populi.
»Reform im Ruhestand?« war ein Interview mit Graf Baudissin betitelt1. Ist der Bürger in Uniform mit der Generation, die diese Idee zu verwirklichen versuchte, zum Abdanken gezwungen? So auch mit der Polizei? Kommt es wieder, unser Traditionsstück: der Polizeisoldat? Wenn ein Bruchteil eines Prozents unserer Bevölkerung in Erregung gerät und sich vernehmlich zu machen versucht, hebt ein offizielles Geschrei an, als wären Staat und Bürger ernstlich in Gefahr. Wenn es hinterher zu Todesopfern gekommen ist, so darf man trotzdem die Angelegenheit nicht von diesem Ergebnis her zu verstehen suchen. Ohne irgendjemanden anzuschuldigen oder zu entschuldigen, muß man doch zweierlei unterscheiden, zunächst die Auseinandersetzung auf der Diskussionsbasis und dann die Auseinandersetzung auf der Demonstrationsbasis. Bei der letzteren haben alsbald massenpsychologische Gesetze, Nämlich eine gleichzeitige hohe Angst und Aggressionserregung, die ausschlaggebende Rolle gespielt. Daß es aber dazu kam, daß diese Demonstrationen in dieser Form verliefen, ist darauf zurückzuführen, daß den protestierenden Studenten in den vergangenen Jahren - mindestens in den beiden letzten - auf der Diskussionsbasis nicht jene Aufmerksamkeit, jenes Verständnis, jenes mitfühlende Nachdenken zuteil geworden ist, auf das sie Anspruch gehabt hätten. Diese These werden wir verteidigen.
zunächst interessiert uns aber die Reaktion in der Bevölkerung, wie auch insbesondere in der Presse, wobei wir keineswegs nur an die Springer-Presse denken. Auch in einer so niveaubedachten Zeitung wie der »Frankfurter Allgemeinen