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Auf dieses Buch war ich einigermaßen gespannt. Zweifellos sind systemtheoretische Konzeptionen eine Bereicherung des Spektrums sozialwissenschaftlicher Theorien. Und die Anwendung ökologischer Denkweisen ist sicher auch in bezug auf Therapie sinnvoll und produktiv.
Der Band präsentiert sich als eine Bestandsaufnahme, als ein »Marschhalt«, wie es in der Einleitung heißt. Die hier marschieren, verstehen sich als Vertreter
eines als neu bezeichneten Menschenbildes. Während bisher Menschen als reaktive Organismen oder als Roboter gesehen wurden, betrachtet man sie hier als »aktives Persönlichkeitssystem« (S. 7), das in ständigem Austausch mit seiner Umwelt lebt. Die »systemisch-ökologische Neuorientierung«, die dabei vertreten wird, wendet sich vor allem gegen die »atomistisch-reduktionistische Denkweise«, die vorher gepflegt wurde. Dieses Denken ist »monokausal, monofaktiorell und eindimensional. Es beruht auf rigidem Alles-oder-nichts-Determismus und reduziert die Ätiologie beobachtbarer Phänomene auf einen einzigen Faktor« (S. 76). So werde in der Psychiatrie subjektives Verhalten nach wie vor auf ein organisches Defizit oder auf Ich-Schwäche zurückgeführt. Solcher und ähnlicher Sünden macht sich nach Auskunft von G. Guntern auch die Psychoanalyse schuldig. Sie ist wegen ihrer dyadischen Anlage ohnehin nicht geeignet, komplexere Zusammenhänge zu erfassen, geschweige denn, therapeutisch zu beeinflussen. Bei aller Anerkennung ihrer historischen Bedeutung wird sie nunmehr aufs Altenteil geschoben: Die kopernikanische Wende der Therapie überwindet ihre Schwächen in Theorie und Praxis. Denn der systemische Ansatz sieht individuelle Handlungen in einem weiteren Kontext: »Die Familie ist ein selbstreguliertes, offenes Verwandtschaftssystem, das zielorientiert ist und das seine Homöostase aufrechterhält, indem es mit seiner Umwelt dauernd Materie, Energie und Information austauscht… Der »Patient« ist der indizierte Indikator eines dysfunktionalen Systems, resp. einer gestört