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»Ich erhalte soviel Zeugnisse dafür, daß Sie und Ihre Freunde meine Forschungen schätzen, aber ich selbst bin nicht im Stande mir klarzumachen, was Ihr Surréalisme ist und will. Vielleicht brauche ich, der ich der Kunst so fern stehe, es gar nicht zu begreifen.«
Freud an Breton (26. 12. 1932)1
Die französische surrealistische Bewegung war die charakteristische Gestalt der künstlerischen Revolte im Europa der Zwischenkriegszeit (Breton, S. 30, S. 62). Die deutsche Bohème hat sich — trotz Max Ernst — an dieser Revolte nicht beteiligt. Ehe Hitler ihr das Genick brach, lebte sie wesentlich von Impulsen des Expressionismus. Der seit 1945 zum Objekt der Geschichtsschreibung gewordene Surrealismus2 wurde in Westdeutschland von einzelnen Malern und Lyrikern rezipiert und imitiert; als »Bewegung« war er nach dem Kriege auch in Paris nicht mehr existent. Eine internationale Künstlerbewegung, die sich als Teil der antikapitalistisch-antibürokratischen Revolution versteht und das dreifache Ziel verfolgt, »die Welt (zu) verändern, das Leben (zu) ändern, die Verständigung unter den Menschen neu (zu) begründen« (Breton, S. 68 f.), eine Bohème-Organisation, die, um der Freiheit des individuellen Ausdrucks willen, ihre Unabhängigkeit auch gegenüber solchen Parteien wahrt, die sich als »Partei der Freiheit« präsentieren (S. 61), wie es das antitotalitäre Manifest der im Sommer 1938 von Breton und dem mexikanischen »Muralisten« Diego Rivera gegründeten, vom Krieg verschlungenen »Fédération Internationale de l'Art Révolutionnaire Indépendant« (F.I.A.R.I.) formulierte, hat es weder vor, noch nach dem Surrealismus gegeben. Was da am Vorabend des 2. Weltkriegs als Möglichkeit aufleuchtete, harrt, wie andere Verheißungen des Surrealismus,