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Literatur als Kunst und Psychoanalyse haben viel miteinander zu tun. Daraus ergeben sich zwei Fragen, die sich jedem Psychoanalytiker früher oder später stellen und auf die es richtigerweise keine einfache Antwort geben kann. Die erste Frage ist die: Kann und soll man Schriftsteller und Dichter, die eine Analyse wünschen, analysieren? Ein praktisch-klinisches Problem, das zu lösen die theoretische Grundlage erst zu finden wäre. Sigmund Freud (1960, S. 413) hat sich dazu ganz bestimmt geäußert, wie es für klinische Entscheidungen nötig ist. Er schrieb am 27. Juni 1934 in seinem berühmten Brief an ein »Sehr geehrtes Fräulein«: »Es ist nicht ausgeschlossen, daß eine Analyse die Unmöglichkeit ergibt, eine künstlerische Tätigkeit fortzusetzen. Das ist dann nicht die Schuld der Analyse, es hätte sich auf alle Fälle herausgestellt, und es ist nur ein Vorteil, davon rechtzeitig zu erfahren. Wenn aber der Trieb zur Kunst stärker ist als die inneren Widerständ, so wird die Leistungsfähigkeit durch die Analyse nur gesteigert, nie erniedrigt.« Der Ansatz zur Metapsychologie des literarischen Künstlers ist wohl im Verhältnis des »Triebes zur Kunst« zu den »inneren Widerständen« gegeben.
Die zweite Frage ist eine zuerst theoretische, die jedoch zu vielfältigen praktischen Folgen führt: Wie verhält sich die Psychoanalyse als Wissenschaft und als Therapie zur Literatur? Mit diesem Problem hat Freud sich seit Beginn seiner Entdeckungen befaßt, seit der Verwendung des Ödipusdramas zur wissenschaftlichen Erklärung unbewußter Konflikte und seit er dessen gewahr wurde, daß seine Krankengeschichten »wie Novellen zu lesen« seien (Freud, 1895, S. 227). Seither könnte man mit Beiträgen zu dem Thema Bibliotheken füllen. Wie lebendig und dabei doch ungelöst die Frage geblieben ist, kann man allein daraus ersehen, daß neben den tiefschürfenden Werken von Kurt Eissler, den sinnvollen Untersuchungen von Peter Dettmering, Johannes Cremerius u.v.a. noch heute Artikel zu literarischen Problemen ersc