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Wahrscheinlich würde man, wenn man die unterschiedlichsten Studien über Künstler und andere Persönlichkeiten darauf durchsähe, als gemeinsames Charakteristikum feststellen können, daß sie ausnahmslos auf einem (wenn
auch sicher meist verborgenen) dialektischen Modell beruhen, das durch die antithetische Heranziehung einer zweiten Persönlichkeit gewonnen wird; diese fungiert auch dann als geistiger Widersacher und Antagonist, wenn durch ein »und« im Titel eine Gemeinsamkeit suggeriert wird. Die Autorin des vorliegenden Buches hat diesen antithetischen Kunstgriff nicht verschleiert, sie hat ihn vielmehr explizit zum Thema ihres Buches gemacht. Sie räumt gleich zu Beginn ein, daß eine Gegenüberstellung Blake/C. G. Jung naheliegender wäre: gerade das antithetische Verhältnis von Blake und Freud sei es aber gewesen, das sie zum Schreiben gereizt habe. Tatsächlich ist ein größerer Gegensatz als zwischen diesen beiden Persönlichkeiten nicht denkbar: Blake, der in seinen Bildern einen bestimmten, weitgesichtigen Menschentypus »geschaffen« hat, der genau C. G. Jungs Begriff des Numinosen und Archetypischen zu entsprechen scheint, und auf der anderen Seite Freud mit seiner unerbittlichen Entschlossenheit, alles Sichtbare und Bildhafte zu unterlaufen und dahinter verborgene Gegensätze, Kompromißbildungen, ambivalente Strömungen nachzuweisen, die im Bild zu etwas scheinbar Einheitlichem zusammengetreten sind. Die Autorin versucht diesem Kontrast der beiden Männer immer neue Nuancen abzugewinnen, so wenn sie in einem Schlußkapitel auf die Rolle zu sprechen kommt, die Städte im Leben Blakes und im Leben Freuds spielten. »Die Phantasie beider wurde gleichermaßen durch die Vorstellung von Städten in Gang gesetzt«, heißt es, aber dann versucht die Autorin zu einer differenzierenden Sehweise zu kommen, die die scheinbare Übereinstimmung wieder einschränkt: »Für Blake blieb die Stadt lebendig und barg für ihn das Wiederaufleben menschlicher Hoffnung. Für Freud fiel die lebende Stadt