You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Wie schon der Titel verrät, ist der Gegenstand des Sammelbandes die »in den vierziger und fünfziger Jahren ausgetragene Kontroverse um Interpretationen der Freudschen Theorie«, bei der vor allem Theoretiker der Frankfurter Schule Freuds Position gegen die soziologischen Neuformulierungen psychoanalytischer
Erkenntnisse durch Fromm, Horney und Sullivan verteidigt haben (S. 7). Im ersten Teil des Bandes rekonstruiert Görlich die Problemgeschichte dieser Auseinandersetzung. Er bezeichnet die Schwierigkeiten der kulturtheoretischen Schriften Freuds und geht dann auf die Berührungspunkte zwischen Psychoanalyse und Ethnologie bei Malinowski und Róheim, auf die Ergebnisse der amerikanischen Kulturanthropologie und die aus ihr entstandene Kultur- und Persönlichkeitsforschung ein, auf deren Grundlage sich die von den Neopsychoanalytikern vollzogene Revision der Psychoanalyse entfaltet hat, die am Beispiel Fromms als dem wichtigsten Vertreter des »Revisionismus« ausführlich dargestellt wird.
In der im zweiten Teil dargebotenen Textdokumentation findet sich zunächst Fenichels Rezension von Fromms Studie »Die Furcht vor der Freiheit«, die die Einwände der Kulturismus-Kritik antizipiert, die in den ebenfalls abgedruckten klassischen Arbeiten Adornos (»Die revidierte Psychoanalyse« und das »Postscriptum« zu den Thesen über das Verhältnis von Psychologie und Soziologie) differenziert entfaltet worden sind. Horkheimers erst kürzlich in der Psyche publizierter Aufsatz »Ernst Simmel und die Freudsche Philosophie« wird dem Leser sicherlich noch in Erinnerung sein — anders vielleicht als Marcuses vor vielen Jahren ebenfalls in dieser Zeitschrift abgedruckte »Kritik des neo-freudianischen Revisionismus«, der bedeutendsten Schrift der Kulturismus-Debatte, die eine heftige Kontroverse zwischen Fromm und Marcuse auslöste, die in der amerikanischen Zeitschrift Dissent ihren Niederschlag fand. Bedauerlicherweise hat Fromm es seinerzeit abgelehnt, zu einer Veröffentlichung dieser im allgemei