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Verhält es sich so, daß ich in dem Moment, da ich nichts bin, ein Mensch werde
Ödipus auf Kolonos
Dieses zweite Seminar Lacans aus den Jahren 1954/55 schließt thematisch an das erste an; wie dieses kommentiert es über weite Strecken Freud. Standen dort dessen technische Schriften sowie die Arbeit über den Narzißmus im Vordergrund, so befaßt sich Lacan diesmal mehr mit dem »Entwurf« von 1895, der »Traumdeutung« und vor allem mit »Jenseits des Lustprinzips«. Entsprechend sind Lacans Ausführungen weniger auf Fragen der Technik als auf solche der Metapsychologie ausgerichtet, was für ihn gleichbedeutend ist mit einer Sprachtheorie, mit der Logik des Signifikanten.
Die Psychoanalyse hat es in ihrer Praxis mit Sprache zu tun, aber nicht nur das: auch die in der Analyse beteiligten Subjekte sind sprachliche, durch Sprache konstituiert. Die Körper sprechen und sind schon vorgängig in einem Netz von Sprache gefangen, das die Individualität transzendiert. Dies der Ausgangspunkt Lacans, der nun größtes Gewicht legt auf die Spaltung im Subjekt, die durch zwei Ordnungen bedingt ist: die sprachliche und die libidinöse, wobei es die eine nicht ohne die andere gibt.
Zur libidinösen Ordnung gehören nach Lacan das Ich als imaginäre Instanz (franz.: le moi); der Narzißmus und demzufolge die Objektbeziehungen nach dem Vorbild des Spiegelstadiums, das er so großartig im ersten Seminar beschrieben hat und für dessen Illustration er ein optisches Modell entwickelt hat. Generell gesagt: das Ich (moi)* ist ein regulierender Apparat sämtlicher Erfahrungen des Subjekts im Dienst des Lust-Unlust-Prinzips. Die von der Halluzination unterschiedene Realität ist phantasmatischer Art, gewissermaßen narzißtisch überformt. Klinisch manifestiert sich das Ich als Trägheit, im Bestreben, seine Realität zu bewahren. Wird diese in Frage gestellt, reagiert es mit Angst oder Verleugnung.
Was Freud nun, Lacan zufolge, entdeckt hat, ist daß das homöostatische Lust-Unlust-Prinzip nicht ausreicht, um zu verstehen, w