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Jeder erfahrene Leiter von Therapiegruppen weiß, daß ein Gruppenprozeß oft über weite Strecken ohne jede Intervention progressiv verlaufen kann. Die Gruppe birgt ein sich selbst regulierendes Potential. Fast immer taucht in einer kritischen Phase irgendein Teilnehmer auf, der durch konstruktive Deutungen dazu beiträgt, Schwierigkeiten zu meistern. In Übereinstimmung damit steht die positive Erfahrung, daß sich in der Gruppentherapie alternierende Sitzungen ohne Leiter oft als hilfreich erweisen. Dadurch können z. B. in Anwesenheit des Leiters festgefahrene Übertragungskonstellationen erkannt und gelöst werden. Therapiegruppen ohne Leiter entsprechen außerhalb des therapeutischen Bereichs der »peer-group« der Gleichaltrigen, die einen normalen Ablauf der Adoleszenz ermöglichen (mit ihrer Ablösung von den Eltern, ihrer Zentrierung auf sich selbst und schließlich auf den heterosexuellen Partner). Das selbstregulierende Prinzip der Gruppe wurde immer schon genutzt. Das zeigt z. B. ein Aufsatz von Milton Seligman und Richard Desmond (Int. J. Group Psychotherapy, 25, 1975) über »The leaderless group phenomenon: a historical perspective«. Parallel verlaufend dazu gab es auch innerhalb der psychoanalytischen Einzeltherapie eine Phase, in der die Autonomie des Individuums besonders stark herausgestellt wurde; es sei nur an Gertrude Blancks Arbeit aus dem Jahre 1968 über »Einige technische Folgerungen aus der Ich-Psychologie« (Psyche, 22, 1968) erinnert.
Die Selbsthilfegruppenbewegung ist hingegen eine Folge des gestiegenen Bedarfs an Hilfe einerseits und des Mangels an Helfern andererseits. Michael Lukas Moeller hat an ihrer Entwicklung, was den deutschsprachigen Raum betrifft, entscheidenden Anteil. Seine umfangreichen Recherchen, sein mutiger persönlicher Einsatz und seine ertragreichen Erfahrungen sind nach seinem Buch »Selbst-Hilfe-Gruppen« (Rowohlt, 1978) in dem jetzt vorliegenden zweiten Buch dokumentiert. Es stellt eine Synopsis von wissenschaftlichem Referat, interdis