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Unter der Überschrift »Schriften des frühen Goetheanismus« hat eine anthroposophische Verlagsgruppe drei Arbeiten aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts neu aufgelegt. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, wird aufgeklärt: »Der Goetheanismus bildet eine mitteleuropäische Erkenntnisströmung, die in geistiger Nähe zu Goethe, zur deutschen Klassik und zum Idealismus überhaupt entstanden ist. Im Rahmen dieser goetheanistischen, phänomenologischen Erkenntnishaltung entwickelten bedeutende Forscher des 19. Jahrhunderts im Gegenzug zum heraufkommenden Materialismus Ansätze und Impulse zu einer spirituellen, lebendigen Natur- und Weltauffassung.«
Die Texte sind sehr unterschiedlich. Feuchterslebens Arbeit nimmt eine Sonderstellung ein, weil sie ein populärwissenschaftlicher Leitfaden der Lebensführung ist, während Ennemoser und Preuß theoretisch ambitionierter sind. Trotzdem (oder deshalb) ist Feuchterslebens »Diätetik« der wichtigste und interessanteste Text. Auf der Grundlage einer konsequent holistischen Auffassung von menschlicher Identität untersucht er, wie psychische Gesundheit mit körperlichen und geistigen Aktivitäten und Problemen zusammenhängt. Ohne die Bedeutung der physischen Grundlagen von Identität zu leugnen, lautet seine These: »Die Seele und der Geist haben ein unverrückbares Primat über den Leib. In jedem Menschen lebt die Fähigkeit, nicht nur dieses Primat anzuerkennen, sondern seiner auch praktisch so habhaft zu werden, daß er zum Meister seiner Existenz sich erheben kann. Wenn er nur will, dann sind ihm die