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»Nenn das Ding beim Namen, aber auch beim Pseudonym.« — Gleich mehrfach erinnerte ich mich bei der Lektüre von Schmidbauers Buch über die »Destruktivität von Idealen« an diese Maxime des polnischen Aphoristikers Stanislaw Jerzy Lec. Freilich ganz anders, als dieser gemeint hat. Denn Schmidbauers Buch über die »zerstörerischen Folgen menschlicher Ideale« (S. 7) — ein seiner Meinung nach bislang »unterschätztes Thema« (ibid.), nennt die Wahrheit zwar recht oft beim Pseudonym, doch selten nur beim Namen. In Form seiner Verkehrung kam mir also der genannte Aphorismus immer wieder in den Sinn. Warum?
Wolfgang Schmidbauer, Psychotherapeut und Schriftsteller aus München, wollte zeigen, »daß idealisierte Erwartungen im Zug einer seelischen Entwicklungsstörung die Lebensvorgänge nicht mehr begleiten und ordnen, sondern stören« (S. 9). Dies sei der »Grundgedanke« von »Alles oder nichts« (ibid.). Und: »Der Überanspruch, das Perfektionsideal oder der Wunsch nach dem vollkommenen Partner vernichten buchstäblich die Chancen, ein erfülltes und glückliches Leben zu führen« (Klappentext). Ohne Frage: einleuchtende Gedanken, plausible Hypothesen, wenn auch, wie ich finde, längst nicht so unterschätzt, wie der Autor befürchtet. Nicht erst Horst Eberhard Richters zu gleicher Zeit geschriebener »Gotteskomplex« handelt ausführlich von dieser Dynamik: als »Strenge des Über-Ichs«, um nur ein Stichwort aufzugreifen, ist der damit angesprochene Zusammenhang der Psychoanalyse seit Freud bekannt. Doch Schmidbauer unternimmt ja anderes und mehr, als etwa Freud zu diesem Thema notierte (und vor allem an intrapsychischer Dynamik bei diesen Vorgängen festhielt).
In »Alles oder nichts«, das seine psychoanalytische Arbeit mit Einzelklienten und Gruppen zur empirischen Grundlage hat, versucht Schmidbauer, »soziale, geschichtliche und biologische (vor allem entwicklungsgeschichtliche) Seiten der Idealbildung aufzugreifen« (S. 16). Dementsprechend akzentuiert legt der Verfasser seine voluminöse Arbeit au