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Sehr geehrte Frau Dr. Mitscherlich, meine sehr verehrten Damen, sehr geehrte Herren,
als Präsident möchte ich Sie im Namen der Johann Wolfgang Goethe-Universität zur akademischen Gedächtnisveranstaltung für Alexander Mitscherlich recht herzlich begrüßen. Ich freue mich, daß Sie unserer Einladung, damit meine ich das Sigmund-Freud-Institut, die Frankfurter Psychoanalytische Vereinigung, den Suhrkamp-Verlag und die Universität, gefolgt sind, um die Person und das Werk Alexander Mitscherlichs zu würdigen, der am 26. Juni dieses Jahres dreiundsiebzigjährig gestorben ist. Ich möchte hinzufügen, daß ich mich ganz besonders darüber freue, daß wir in dieser Form Gelegenheit haben, uns die Leistung eines Wissenschaftlers in Erinnerung zu rufen, der von Frankfurt aus nicht nur der Psychoanalyse, sondern seinerzeit auch der gesellschaftspolitischen Diskussion in unserem Land maßgebende Impulse verliehen hat.
Als Mitscherlich im September 1973 emeritiert wurde, hatte er dieser Universität über 6 Jahre lang angehört. Während er sich in seiner Heidelberger Zeit überwiegend für die Institutionalisierung der Psychoanalyse und der Psychosomatik eingesetzt hatte, entfaltete er in Frankfurt eine rege publizistische Tätigkeit, wobei er den Akzent auf sozialpsychologische Fragestellungen legte. Damals erschienen seine bekanntesten Bücher, und aus diesen Jahren ist er uns allen als ein engagierter Teilnehmer an den damals zahllosen Diskussionen und Streitgesprächen in Erinnerung, sei es über die Notstandsgesetzgebung oder über Drogenmißbrauch Jugendlicher, über Sünden im Städtebau oder unsere Bewältigung der jüngsten Geschichte.
Alexander Mitscherlich hat sich dabei stets mutig und kritisch, immer aber äußerst besonnen zu Wort gemeldet. So war er durchaus in der Lage, etwa bei der Verleihung des Friedenspreises 1969 in der Paulskirche zu sagen: »Was ich von der Welt in Erfahrung bringen konnte, hat mir nur wenig Hochachtung vor der Weisheit der Herrschenden abgefordert.« Aber schon im nächs