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Alexander Mitscherlich wurde am 20. September 1908 in München geboren. Er wuchs in einem großbürgerlichen Elternhaus im oberfränkischen Hof auf. Die Familie stand in einer anspruchsvollen geistigen Tradition. In der väterlichen Linie blickte man auf bekannte Naturwissenschaftler zurück. Der Großvater, Alexander, war Hochschullehrer und Erfinder der Sulfid-Zellulose gewesen und wurde ein Vorbild für den heranwachsenden Enkel. Über seinen Vater schrieb Mitscherlich: »Mein Vater war deutsch-national und politisch, wie man schon damals erkennen konnte, völlig unbelehrbar. Er war ein Reaktionär, der im wesentlichen alles Neue negierte…«1 Dieser Vater, der — nach Mitscherlichs Worten — alle seine Beziehungen überschattete, übte andererseits auf ihn eine große Anziehungskraft aus. Rückblickend bezeichnet Mitscherlich ihn als die große Angstquelle seiner Kindheit. Nachdem der Sohn sich ein eigenes politisches Urteil gebildet hatte, begab er sich in eine Gegenposition zum Vater und hielt diese Position als Aufklärer gegen Unbelehrbarkeit und »hergestellte Dummheit« ein Leben lang durch. Die Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn fand ihren Höhepunkt in der politischen Dimension.
Seine Mutter kennzeichnete Mitscherlich wie folgt: »Sie war eine lebenszugewandte und heitere Frau, sehnte sich nach der großen Welt« (a. a. O., S. 27 f.). Diesen Wunsch, sich dem Leben zuzuwenden und an den Geschehnissen der großen Welt teilzunehmen, finden wir auch bei Mitscherlich. Er mußte sich mit den aktuellen Geschehnissen auseinandersetzen, entwickelte dafür ein feines Gespür und nahm darauf Einfluß, was ihn in persönlichen Kontakt zu vielen zeitgenössischen Persönlichkeiten brachte. Kleinbürgerliche Erscheinungen waren ihm zuwider. Ich höre ihn noch voller Verachtung von »Sofakissen mit Mittelschlag« sprechen, als er sich Gedanken über die Einrichtung des Sigmund-Freud-Instituts hinsichtlich der Analytiker-Couch machte.
In seinen Erinnerungen bezeichnete Mitscherlich sich als einen Einzelg