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Das Buch von Boss hat breits seine Geschichte. Nach der ersten Publikation 1957 (die Angabe fehlt in der jetzigen Taschenbuchausgabe) wurde es u. a. von Thomä in dieser Zeitschrift ausführlich besprochen: »Sigmund Freud — ein Daseinsanalytiker?« (1959). Was rechtfertigt eine neue Rezension? Die Beschäftigung mit Heideggers Philosophie hat durch die Herausgabe bisher nicht publizierter Arbeiten des Philosophen neue Impulse und Aspekte erhalten. Andererseits sind innerhalb der psychoanalytischen Diskussion Akzentverlagerungen und Interessenverschiebungen zu verzeichnen; einige Psychoanalytiker sehen darin Fortschritte. Könnte sich daraus eine Situation ergeben, die ein erneutes Durchdenken des Grundansatzes von Boss — als Bindeglied dieser Entwicklungen in Philosophie und Psychoanalyse — sinnvoll erscheinen läßt?
Boss' Buch steht in einer nicht abgeschlossenen Tradition der psychoanalytischen Auseinandersetzung mit Heideggers Philosophie, zu der die Werke Binswangers den Auftakt gaben. Auch neuere Publikationen wie die von Martin Bartels (1976) sollten in diesem Zusammenhang nicht unbeachtet bleiben. Daß dies nichts mit einer Gründung neuer psychotherapeutischer Schulrichtungen zu tun haben muß, hat Boss hervorgehoben. Sein Ansatz, das, was in der psychoanalytischen Praxis wirklich geschieht, zum Ausgangspunkt zu machen und die theoretischen Mittel, mit denen dieses Geschehen erfaßt wird, als wandelbar und zum Teil revisionsbedürftig anzusehen, hat, unabhängig von Boss und Heidegger, auch sonst in der psychoanalytischen Diskussion Raum gewonnen (z. B. Psychoanalyse als Sozialwissenschaft versus Naturwissenschaft vom Seelischen). Das bedeutet aber nicht, daß wir auf einen Erfahrungsschatz verzichten könnten, der schwerlich aus der Sprache herauszulösen ist, in der er — verkürzt, unzulänglich, »verdinglicht« — niedergelegt ist. Eine Übersetzung in philosophisch adäquatere Sprache vermag diesen Schatz nur allzuoft nicht zu bewahren. Wir denken historisch (Heidegger, 1928,