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Die Entdeckung und Erforschung des Unbewußten, der große und schmerzliche Schritt zum »Erkenne dich selbst«, den Sigmund Freud getan hat, führte unausweichlich zu seiner Kulturtheorie. Nachdem einmal aufgeklärt war, daß der Mensch als Individuum nicht nach seinem bewußten Wissen und Willen fühlt, denkt und handelt, stellte sich die Frage nach der Unbewußtheit des Menschen als historisches und gesellschaftliches Wesen. Seit den grundlegenden Schriften ihres Begründers hat die Psychoanalyse sich jedoch in einer anderen Richtung entwickelt. Das Anwendungsgebiet als Therapie, die klinische Methode und ihre theoretischen Grundlagen wurden erweitert und ausgebaut, die Klßrung der großen Probleme der menschlichen Kultur wurden — mit wenigen Ausnahmen — wieder den verschiedenen Humanwissenschaften einschließlich der Philosophie überlassen, die sich schon früher dafür zuständig fanden. Manche Philosophen, Historiker, Biographen, Soziologen stützen sich seither auf psychoanalytische Erkenntnisse. Die Psychoanalytiker selber verstanden sich zumeist als klinische Psychologen; wenn sie sich überhaupt an Probleme gesellschaftlicher Relevanz heranwagten, beschieden sie sich mit Teilgebieten, mit besonderen Fragen der Sozialpsychologie, der Biographik, der Kunstkritik.
Mit Erdheims Buch hat die Psychoanalyse zu einem der großen Themen der Aufklürung zurückgefunden. Es ist ein eminent psychoanalytisches Buch, und es gelingt dem Autor, zu zeigen, mit welchen Mitteln und nach welchen Gesetzmäßigkeiten der Mensch als vernunftbegabtes gesellschaftliches Wesen durch die stille und scheinbar unentrinnbare Tyrannei des Unbewußten entmündigt wird. Mühelos und gespannt folgt man dem Autor, bis sich die ontologische Frage nach der wahren Natur des Menschen verliert und die Einsicht ergibt, daß es die Herrschaftsverhältnisse, die Interessen der Macht sind, die über die Produktion von Unbewuütheit bestimmen.
Am Kapitel über die Adoleszenz ist beides am einfachsten zu zeigen: erstens, daß der »et