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Mario Erdheim unternimmt es in diesem Buch, in den schwierigen Prozeß der ethnopsychoanalytischen Arbeit einzuführen. Ethnopsychoanalyse unterscheidet sich von anderen Anwendungen der Psychoanalyse auf Gesellschaftliches dadurch, daß sie nicht nur mit psychoanalytischen Begriffen und Erfahrungen gesellschaftliche Phänomene untersucht, sondern die gesellschaftliche Produktion von Unbewußtheit sowohl — im Sinne einer Selbstanalyse — bei sich selbst, dem Forscher und seiner Kultur, wie gleichzeitig im Rahmen der zum Gegenstand gemachten Kultur analysiert. Die von einem Ethnologen während seiner Feldforschung gemachten Erfahrungen und Situationen evozieren Ängste und Regressionen, und diese führen in der Regel zu einer Abwehr dieser Erfahrungen durch Verdrängung, Verleugnung, Reaktionsbildung, Isolierung, Ungeschehenmachen usw., die die Erkenntnismöglichkeiten des Forschers einschränken und in der theoretischen Durcharbeitung die empathisch gewonnenen Erkenntnisse wieder verdunkeln. Die Ethnopsychoanalyse hat zu ihrer Bedingung nicht die z. B. von Géza Réheim aufgestellte Forderung, daß der psychoanalytische Ethnologe zu Hause Psychoanalytiker sein muß, sondern sie faßt die ethnologische Arbeit selber als psychoanalytische Situation auf. Die Analyse der fremden Erfahrung muß (deshalb) immer mit der Analyse der eigenen Erfahrung verknüpft sein (S. 27). Inhalt der ethnopsychoanalytischen Untersuchung ist wesentlich die Unbewußtheit in einer Kultur, das, »was man in einer Gesellschaft nicht wissen darf, weil es die Ausübung der Herrschaft stört« und deshalb unbewußt gemacht werden mußte (S. 38), mit dem von der Psychoanalyse vermittelten Instrumentarium aber wieder bewußt gemacht werden kann. Denn das unbewußt gemachte Wissen in einer Gesellschaft ist — wie beim Individuum — nicht unwirksam, sondern es verwandelt sich in herrschaftsstabilisierende Ideologien. Der Ort dieser gesellschaftlich organisierten Produktion von Unbewußtheit ist nicht so sehr (wie die meisten bish