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Dieses mit keinem Untertitel näher gekennzeichnete Buch ist mehr als eine Einführung in die Psychoanalyse. Als Forschungs- und Behandlungsmethode, als Entwicklungspsychologie, als Persönlichkeitstheorie, als Konflikt- und Krankheitslehre sowie als kritische Sozialwissenschaft wird die Psychoanalyse in ihren Grundpositionen klar dargestellt, gegenüber Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie und erlebnisorientierten Verfahren abgegrenzt und immer wieder als eine kritische Wissenschaft des Menschen und seiner Beziehungen herausgearbeitet. In einem besonderen Abschnitt über psychoanalytische Methodologie und Erkenntnistheorie erweist sich der Autor in seinem Selbstverständnis als genuiner Psychoanalytiker i. S. der Tiefenhermeneutik Habermas' und Lorenzers. Auf dieser Basis sind besonders die Abschnitte über psychoanalytische Psychosomatik, die Rolle des »Vaters als Schrittmacher für die Loslösung … aus der symbiotischen Mutter-Kind-Beziehung« — und zwar für beide Geschlechter — (S. 48), die frühe Triangulierung (S. 64), die Selbstwertproblematik, die Zusammenhänge zwischen üußeren und inneren Konflikten (S. 137) bei der Neurosenbildung und das objektbeziehungstheoretische Konfliktmodell überzeugend abgehandelt.
Das Buch ist aber gleichzeitig ein Entwurf zu einer modernen Psychoanalyse, die entschieden überholte Positionen aufgibt wie die der Kastrationsangst, die den Jungen aus Abwehrgründen zur Identifikation mit dem Vater zwinge, während das Mädchen wegen fehlender Kastrationsangst und der damit ebenfalls fehlenden Notwendigkeit defensiver Identifizierung kein entsprechendes Über-Ich aufzubauen gezwungen sei. Der Autor wörtlich: »Viele Annahmen von Freud finden in der modernen Psychoanalyse keinen Rückhalt« (S. 126). Heute ist die Mehrheit der Psychoanalytiker mit dem Autor der Meinung, daß das Über-Ich zwar nach wie vor in pathologischen Fällen aus defensiven Gründen gegen übermäßige Kastrationsangst besonders bedrohliche Züge annehmen kann, daß es aber im übrigen nich