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»Die Person ist kein Ich einer Geschichte, sondern Produkt einer Schichtung«, so kennzeichnet Gisela von Wysocki in ihrem Buch »Weiblichkeit und Modernität. Über Virginia Woolf« die besondere phänomenologische Blickweise, in der Woolf die Personen ihrer Romane schildert. Virginia Woolf — schreibt die Autorin — erörtert in ihren Romanen nicht die Charakterzüge, sondern die Stilmittel, mit denen sich die Personen in Szene setzen. Sie übersetzt die kulturellen sozialen Zeichen, die ihre Natur in zweite Natur, in Kultur verwandelt haben (S. 56). Gisela von Wysocki teilt mit Virginia Woolf diesen Blick für die formierte Subjektivität, die — historisch gesehen — an dem Zeitpunkt, an dem sie sich selbst thematisch wird, das Bewußtsein ihrer Autonomie verliert. Davon zeugen die entstehende Psychoanalyse wie die literarischen Werke dieser Zeit. Unter ihnen machen die Romane Virginia Woolfs eines besonders deutlich: aus der Perspektive der Frau ist der Zerfall der Traditionen, Mythen und Konventionen — der Welt der Väter —, die das Ich stützen halfen und der Frau einen festen Platz zuwiesen, weniger Bedrohung als Chance für eine weibliche I dentitätsfindung.
»Weiblichkeit und Modernität« stehen in einem besonderen emanzipatorischen Spannungsverhältnis. Die entmystifizierte und säkularisierte Welt des Alltags schafft Raum für neue Selbstverständigung. Von Wysockis Buch über Virginia Woolf stellt eine Fortführung dieses Prozesses der Selbstverständigung dar. Indem sie Woolfs phänomenologische Betrachtungsweise gewissermaßen auf sie selbst zurückprojiziert, entwirft sie von männlichen Mystifikationen unverzerrte Bilder der Weiblichkeit. Von Wysocki leiht Woolf gleichsam den Spiegel, der ihr Tabu, sich im Spiegel zu betrachten, aus Furcht, ein gefälschtes Bild zu sehen, hätte aufheben können. Würden die Lesenden nun aber von den Reflexionen der Autorin eine Aufarbeitung der Lebensgeschichte und Persönlichkeit Virginia Woolfs erwarten, so wäre dies ein Mißverständnis. Ihr Anspruch