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Freuds Kunst, »novellenartige Fallgeschichten niederzuschreiben«, die seine Leser sowohl »mit dem Phänomen sozialer Leiden (Neurosen)« als auch »mit dem Verfahren der Auflösung von Symptomen durch gesprächsweise Aufhellung ihrer biographischen Genese vertraut machten«, ist »in Verfall geraten« (Dahmer, 1980, S. 664 f.). Pulsiert einerseits »das Leben der Patienten und ihrer therapeutischen Gegenspieler« heute nur noch in »packenden Reportagen«, die theoretisch nicht durchdrungen sind, so reduzieren sich andererseits die Fallskizzen der psychoanalytischen Literatur auf »bloße Theorie-Illustrationen«, die »lauter Abziehbildchen von schon bekannten Theorien gleichen« (ebd., S. 666). Weil diese Fallgeschichten bloß noch bestimmte Krankheitsbilder und technische Verfahren verdeutlichen, ist »der gesellschaftliche Kontext, in den die individuelle Lebensgeschichte unauflöslich verwoben ist, … zur eher gleichgültigen Randbedingung« verblaßt (ebd., S. 665). »An die Stelle des Herauswachsens theoretischer Konzepte aus Lebens- und Behandlungsgeschichten, der Korrektur und Weiterbildung psychologischer Theorien mittels klinischer Erfahrung, ist ein eigenartiger psychoanalytischer Piatonismus getreten« (ebd.): Denn unter dem Primat der Technik wird die psychoanalytische Kur selbst zur »Höhle«, in die nur noch »Schatten der Zeitgeschichte« fallen (ebd.).
Dahmers Kritik richtet sich gegen eine Psychoanalyse, die die Lebensgeschichten ihrer Patienten psychologistisch gegen den gesellschaftlichen Zustand abdichtet, dessen »lebende Symptome« die Individuen als Träger von Verhältnissen sind, »die, Generationen übergreifend, nicht von ihnen und nicht für sie gemacht sind« (ebd., S. 664). Mit dem von ihm sorgfältig edierten Werk stellt Dahmer der Öffentlichkeit ein zweibändiges Kompendium zur analytischen Sozialpsychologie vor, das mit gutem Grund »Deutungen bestimmter historischer Phänomene gegenüber bloß methodologischen Erörterungen zum Verhältnis von Soziologie und Psychologie bevorz