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Das vorliegende Heft ist das dritte, das wir dem Andenken Alexander Mitscherlichs widmen.* Unter den unveröffentlicht gebliebenen Texten in seinem Nachlaß befanden sich auch zwei (vor drei Jahrzehnten abgefaßte) Fallgeschichten, die wir hier publizieren, um einen Einblick in die Alltagsarbeit des Therapeuten zu geben. Ergänzend wurde eine Ansprache seines Freundes René König (aus dem Jahre 1969) in das Heft aufgenommen.
Die psychoanalytische Praxis ist der Ort, an dem theorievermittelte Erfahrung und aus Erfahrungen destillierte Theorie gegeneinander geführt werden, wo der Prozeß zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit (als ein seelischer) zur Sprache kommt und, wenn es gut geht, die Gewalt von Wiederholungszwängen gebrochen wird. Den analytischen Dialog mit seinen Stockungen, ödstrecken und Peripetien ebenso zu schildern wie die um die rekonstruierte Geheimgeschichte ergänzte Vita von Patienten, ist die Aufgabe von »Fallgeschichten«. Die Fähigkeit, solche zu erzählen, die als Privatgeschichten Novellen (also mehr als bloße Beispiele bekannter Pathologien) sind und denen eben darum exemplarische Bedeutung für das Selbst- und Weltverständnis der Zeitgenossen zukommt, hat sich zurückgebildet. Im Versiegen der Literaturgattung »Fallgeschichte« machen sich in der »veralteten« Psychoanalyse gesellschaftliche Veränderungen geltend, die ihrem Fortbestand nicht günstig sind. Es scheint, als seien die Therapeuten des Zusammenhangs des Lebens ihrer Patienten so wenig gewiß wie diese selbst. Der Ruf nach Heilung und Verwirklichung des »Selbst«, der in der psychologischen Literatur der beiden vergangenen Jahrzehnte widerhallt, verweist auf dies Defizit.
Dem Literaten und Historiker Mitscherlich waren die Schwierigkeiten, die sich bei dem Versuch ergeben, psychoanalytische Fallgeschichten heute angemessen zu erzählen, bewußt. Dreimal hat er angesetzt, um dem Kon-volut mit Aufzeichnungen, Korrespondenzen, Literaturverweisen etc. eine Fallgeschichte des »Gummi-Fetischisten« abzugewinn