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Mein lieber Freund Alexander,
es geziemt sich, glaube ich, dieser Darstellung eine sehr persönliche Formel vorauszuschicken. Schließlich sind persönliche Freundschaften das einzige, was sich über Jahrzehnte halt wobei als vereinigendes Moment die ständige Bereitschaft zählt, immer wieder Entscheidungen in der gleichen Richtung zu fällen und sich nicht bange machen zu lassen durch den Lärm der Weltgeschichte.
Wir haben uns kennengelernt im Frühjahr 1935, als Sie und ich gerade beschlossen hatten, in den Widerstand zu gehen. Auch das war damals ein sehr persönlicher Entschluß, der uns beiden sicherlich nicht leicht gefallen ist; denn er brachte uns sofort in die totale Isolierung. Ich hatte im Herbst 1934 ein Buch über die deutsche Universität veröffentlicht, das mich bei den Nationalsozialisten unmöglich gemacht hatte; Sie selber hatten eine Besprechung darüber geschrieben und sich dadurch ebenfalls kompromittiert. Diese Situation ist eigentlich seit jener Zeit die gleiche geblieben. Heute noch sehe ich in so vielen öffentlichen Stellungnahmen gegen unsinnige Entscheidungen in der Bundesrepublik Ihren Namen, meinen Namen und die Namen von einigen anderen, die ich manchmal gar nicht kenne, die ich aber präsumtiv als meine Freunde betrachte, genau wie Sie. Die Zahl derer, die nach wie vor den Kopf oben halten, ist bedauerlich zusammengeschrumpft. Heute, kann man wohl sagen, steht nur noch eine Handvoll Leute in Deutschland in einer entschlossenen Haltung gegen den Unsinn, den uns die öffentlichen Stellen wieder einmal einzureden versuchen, auch gegen sinnlose Handlungen, die heute wie damals nur Unheil zeugen können. Wenn es einen Unterschied gibt gegen früher, so ist es bestenfalls die Feigheit der politisch Handelnden, die uns eine gewisse Narrenfreiheit lassen. Das kann natürlich von einem Tag zum anderen enden. So bleiben wir weiter in der Situation, daß unsere moralische Existenz nach wie vor auf nichts gegründet ist als auf unserem eigenen Mut und unserem Willen.
Ic