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Als der Rezensent vor fünf Jahren vom Kindler-Verlag den Auftrag erhielt, für dessen psychologische Enzyklopädie die phänomenologisch-anthropologisch orientierte Psychiatrie und Psychologie im französischen Sprachraum zu beschreiben und dabei die Redaktion den Akzent insbesondere auf psychotherapeutische Beiträge gesetzt wissen wollte, mußte er am Ende seiner Darstellung notieren, daß ein eigentliches psychotherapeutisches Konzept, das unmittelbar in der klinischen Arbeit seinen Niederschlag gefunden hätte, dieser Richtung nicht erwachsen war. Die therapeutische Relevanz betraf eher eine allgemeine Haltung, die sich der Attitüde des »distanzierten Beobachters« zu entschlagen trachtete und eine »Begegnung« in die Wege zu leiten suchte, die den Kranken, vor aller verdinglichenden Zergliederung, sei sie naturwissenschaftlicher oder psychologischer Provenienz, als ganzheitliche Person versteht. Im Nachhinein stellte sich dem Rezensenten die Frage, ob nicht gerade dieser zuletzt genannte Anspruch der Entwicklung einer psychotherapeutischen Praxeologie insofern hinderlich war, als er zu seiner Einlösung so allgemein gehaltener philosophischer Kategorien bedurfte, daß die Hervorbringung »simpler« therapeutischer Techniken, ohne die nun mal der psychotherapeutische Alltag nicht auskommt, nicht zu verwirklichen war.
Daß diese· Synthese doch möglich ist, belegt jetzt auf bahnbrechende Weise das gerade erschienene zweibändige Werk von Dieter Wyss (und Mitarbeitern) »Der Kranke als Partner«. Und nur als eine solche Synthese ist auch der hohe Anspruch, der mit dem Untertitel »Lehrbuch der anthropologisch-integrativen Psychotherapie« verbunden ist, einlösbar. »Integrativ« — das fordert, ein Menschenbild zugrunde zu legen, das in seinen Strukturen so universal wie möglich gehalten ist, und fordert zugleich, wesentliche Erkenntnisse der verschiedensten psychotherapeutischen Fachrichtungen einbeziehen zu können; »Lehrbuch« — das verlangt konkrete Praxeologie. Wyss kann hier aus seine