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Zwei Brüder, der eine drei, der andere fünf Jahre alt, tauschen abends ihre Betten miteinander. Als die Eltern zum Gute-Nacht-Kuß das Zimmer betreten, kichern die beiden bereits erwartungsvoll unter ihren Decken, ein Kichern, das durch das folgende Ansprechen der beiden mit dem Namen des je anderen durch die Eltern noch verstärkt wird. Beide amüsieren sich über die elterliche Fehlidentifizierung, doch aus unterschiedlichen Gründen: der Jüngere findet alle Fehler, alle falschen Handlungen witzig, während der Ältere sich an Selbsttäuschungen anderer erfreut; er kann einer falschen Handlung nur dann eine amüsante Seite abgewinnen, wenn sie dem anderen aufgrund einer falschen Wahrnehmung, also versehentlich unterläuft. Hätte der Ältere gemerkt, daß die Eltern das Täuschungsmanöver der Brüder durchschauten und nur spaßeshalber darauf eingingen, wäre die Pointe für ihn verloren gegangen, nicht so jedoch für seinen Bruder.
Mit Beispielen wie diesem illustriert der kognitive Entwicklungspsychologe und Kohlberg-Schüler Selman in seinem ersten Buch eine Theorie der Entwicklung sozialen Verstehens. Er legt nicht primär, wie der frühe Piaget, eine klinisch dichte Beschreibung des »Weltbildes« des Kindes vor. Vielmehr konzentriert er sich darauf, der Entwicklung der inneren Logik des Verständnisses von anderen Personen und des Selbst auf die Spur zu kommen. Den strukturellen Kern sozialen Verstehens sieht er in der Fähigkeit, sich in die Perspektive eines anderen hineinzuversetzen und sie mit der eigenen zu koordinieren. Er beschreibt ihre Entwicklung in einem Stadienmodell à la Piaget: jedes Stadium wird gekennzeichnet durch eine der Totalität des sozialen Verstehens des Kindes zugrundeliegende Struktur, die durch eine integrierende Transformation aus der vorhergehenden entstanden ist. Es besteht eine logisch notwendige und empirisch invariante Abfolge der Stadien, nicht jedoch eine direkte Abhängigkeit vom Alter oder äußeren Veränderungen. Trotz der organismischen Anklänge im B