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Ausgehend von der Beobachtung, »daß fast alle Analytiker vom Ichideal sprechen, ohne immer die Bedeutung zu präzisieren« (S. 10), unternimmt die Autorin eine Untersuchung dieses Begriffs, von dem sie zeigt, daß er bereits bei Freud »in der Mitte zwischen zwei unterschiedlichen Konzeptionen« — der Topik von 1914 und der von 1923 — steht. Erschien das Ichideal in der Topik von 1914 als Ersatz der primär-narzißtischen Vollkommenheit, vom Ich getrennt durch eine Kluft, die der Mensch immer wieder zu beseitigen versucht, so wird es in der Sicht von 1923 zunehmend dem Über-Ich subsumiert. Aber die Autorin plädiert dafür, zwischen den beiden Instanzen auch weiterhin zu unterscheiden: in dem Augenblick, in dem die ursprüngliche primärnarzißtische Harmonie verlorenging, nahm der Wunsch nach der früheren Allmacht und Vollkommenheit im Ichideal Gestalt an, und das Ich begann danach zu streben, die Kluft zwischen sich und dem Ichideal dadurch auszugleichen, daß es sich an Vorbilder anlehnte und diesen ähnlich zu werden suchte. Der Weg der Entwicklung führte also von einem Punkt, »an dem das Subjekt noch sein eigenes Ideal ist«, zu einem anderen Punkt hin, an dem es »seinen Narzißmus seinem homosexuellen Objekt, dem Vater, anvertraut, der zu seinem Vorbild wird oder — anders ausgedrückt — zu seinem Identifikationsobjekt« (S. 19). Der Mutter fällt die als »heikel« charakterisierte Aufgabe zu, ihr Kind durch vorsichtige Frustration seiner narzißtischen Verschmelzungsbedürfnisse zu veranlassen, »sein Ichideal auf die sich zunehmend entwickelnden Vorbilder zu projizieren« (S. 36).
Dieser Prozeß, von dem wiederholt betont wird, daß er optimal nur dann verläuft, wenn die Entwicklung und Reifung als solche libidinös-narzißtisch besetzt wird (S. 37), ist nun außerordentlich störanfällig. Daraus ergeben sich verschiedenartige Facetten dessen, was die Autorin die »Krankheit der Idealität« nennt. »Das Ichideal und die Per version« heißt das erste Kapitel, in dem aufgezeigt wird, daß die Mu