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Dettmering ist der Pionier der neueren psychoanalytischen Literaturdeutung in der Bundesrepublik nach dem Kriege. Seine erste Buchpublikation, »Dichtung und Psychoanalyse«, mit Essays über Thomas Mann, Rilke und Wagner erschien 1969, zu einer Zeit, als die deutsche Literaturwissenschaft noch an einer Psychologismus-Phobie litt und psychoanalytische Interpretationen noch mit Pathographien assoziiert wurden, deren Peinlichkeit weniger in ihrer Vorliebe für die »Entlarvung« krasser Sexualsymbolik als in dem Mangel an theoretischer Reflexion über deren poetologische Implikationen bestand. Heute liegt das Buch in 3. Auflage vor. Daß in der relativ kurzen Zeitspanne seit 1969 die deutsche Literaturpsychologie mehr Anerkennung gefunden, bedeutende Fortschritte zu verzeichnen und eine beachtliche Produktivität entwickelt hat, ist unter anderem den richtungsweisenden Leistungen Dettmerings zu verdanken, der die psychoanalytische Interpretation psychiatrischer Observanz von dem Odium der »Banausie feinsinniger Ärzte« (Adorno) zu befreien wußte und mit seiner auf klinischer Erfahrung wie auf genauer Kenntnis der Dichtung beruhenden Autorität neue Zugänge zum literarischen Kunstwerk demonstrierte. Es muß aber hinzugefügt werden, daß Dettmerings Zielpublikum im allgemeinen die psychoanalytisch gebildeten Kollegen sind, weil er sich ihrer Fachsprache bedient und ihre Konzepte meist als bekannt voraussetzt. Dieser Umstand hat die Rezeption seiner Interpretationen in der literaturwissenschaftlichen Welt erschwert. Gerade weil es den Nicht-Analytikern unter seinen Lesern an klinischer Erfahrung mangelt, haben sie mehr als sonst ein Bedürfnis nach Begründung, Erläuterung, didaktischer Führung und Zusammenfassung, ein Bedürfnis, das Dettmering nicht immer befriedigt.
Im Titelaufsatz dieses Bandes vermeidet er es zwar nicht, Heimito von Doderers Irritation über den »Seelenschlosser-Jargon« der Analytiker zur Sprache zu bringen, welche er wohl mit Recht als Abwehrhaltung zu begreifen ver