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»Warum sind Sie unschuldig?
Nu Shan sagt es Ihnen.«
Zum 50. Jahrestag der »Machtergreifung« der Hitlerbewegung fand im restaurierten Berliner Reichstagsgebäude ein international besetzter Kongreß statt, an dessen Ende der Zürcher Philosoph Hermann Lübbe1 einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag hielt2. Ziel dieser Ansprache war es, die kapitalismuskritischen soziologischen und sozialpsychologischen Theorien über den Faschismus und über das kollektive Vergessen, dem die zwölf Jahre Diktatur im Zuge von Wiederaufbau und Wirtschaftswunder anheimfielen, zu »delegitimieren« und die verschwiegene Nachkriegsgemeinschaft der unbußfertigen Mitläufer und notdürftig getarnten Belasteten rückblickend zu legitimieren. Lübbe spricht all denen aus dem Herzen, für die das Aufbegehren der studentischen Neinsager von 1968 eine unerträgliche Kränkung bedeutet hat und die in der aktuellen politischen Konstellation die Chance für eine Revanche sehen. Lübbe bedient sich einer Tabu-Sprache, in der selten etwas bei seinem richtigen Namen genannt wird, in der »man« einander verstohlene Winke mit dem Zaunpfahl gibt, dem Gegner ein Bein stellt oder ihn im Gedränge rempelt, statt ihn offen anzugreifen. In diesem Vortrag, dessen Autor sich gegen »die bekannte Verdrängungsthese« wendet, indem er sie zu einer (überflüssigen) »Pseudotheorie« stempelt, bestimmt Verdrängung die Diktion.
In »nichtsymmetrischer Diskretion« müssen etwa die Warschauer Ghettokämpfer, die Widerständler und die Resistance dazu herhalten, die in