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Endlich auf Deutsch erschienen ist nun dieses nach Hilde Bruchs »Eating Disorders« wohl einflußreichste Buch über die Magersucht. Aus zwei Gründen verdient es Interesse: zum einen als eindringliche Schilderung der inneren Welt magersüchtiger Mädchen; zum anderen als fachgeschichtliches Dokument. 1963 erstmals auf Italienisch erschienen, wurde elf Jahre später in englischer Übersetzung eine überarbeitete und ergänzte Fassung veröffentlicht. War Selvini Palazzoli ursprünglich von einem (modifizierten) psychoanalytischen Gesichtspunkt ausgegangen, so dokumentierte sie in dem 1974 ergänzten vierten Teil des Buches die Anfänge ihres radikal vollzogenen Wechsels ins Lager der systemtheoretisch orientierten Familientherapie. Die nur zögernde Aufnahme dieses gespaltenen Buches zeigt sich in den Daten seiner weiteren Veröffentlichungen: 1978 in den USA, 1981 in Italien selbst und nun auch in Deutschland. In ihrem Vorwort zur amerikanischen Ausgabe berichtet die Autorin von der geteilten Aufnahme ihres Werkes: je nach eigenem Standort lobten die Kollegen den einen und beklagten den anderen Teil.
Im kurzen ersten Abschnitt führt Selvini Palazzoli mit einem geschichtlichen Überblick über die Entstehung des Krankheitskonzepts der Pubertätsmagersucht sowie kurzen Kapiteln zu den medizinischen Aspekten, dem klinischen Bild und den differentialdiagnostischen Problemen in das Thema ein. Im zweiten, m. E. interessantesten Teil des Buches beschreibt sie das Innenleben der Magersüchtigen und erklärt dessen Dynamik und Genese in Begriffen der Objektbeziehungstheorie. Selvini Palazzolis Perspektive auf die Magersucht steht der Auffassung der Sullivan-Schülerin Hilde Bruch nahe. Ebenso wie diese hält sie es für falsch, den Kern der Störung in unbewußten Bedeutungen des Essensvorganges zu sehen (z.B. in Schwängerungsphantasien). Wesentlich motivierend für die Magersüchtigen sind nicht die mit dem Akt der Nahrungsaufnahme verbundenen Phantasien, sondern das Ziel abzumagern (weshalb der Name