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Jedem kritischen Leser der Werke von René Spitz werden hin und wieder Unstimmigkeiten und Widersprüche aufgefallen sein, die er aber angesichts der hohen Wertschätzung des Autors nicht weiter beachtet. Martin Dornes geht diesen Unstimmigkeiten und Widersprüchen im einzelnen nach und kommt dabei, einzig und allein unter Anwendung logischen und kritischen Denkens, zu folgenden klaren Resultaten, die hier, wenn sie auch die Lektüre des Buches nicht ersetzen sollen, kurz dargestellt sein sollen: 1. Das Drei-Monats-Lächeln ist kein verläßlicher Indikator für eine ganze Reihe neuerworbener psychischer Prozesse wie Distanzwahrnehmung, Spannungstoleranz, Gedächtnisspuren, die Bildung von Repräsentanzen, den Beginn von Denkoperationen und die Struktur eines rudimentären Ich, denn es ist als »angeborene Instinktbewegung — auf Lernprozesse nicht angewiesen« (S. 56); 2. Die Acht-Monats-Angst ist nicht nur eine Trennungsangst, sondern hat als biologisch begründete Fremdenfurcht eine eigenständige zweite Wurzel. Aus diesem und anderen Gründen (vgl. bes. S. 104 ff.) ist sie als Indikator für die Konstitution eines libidinösen Objektes nicht geeignet. Dafür erscheint ein »spezifisches Attachmentverhalten« viel eher brauchbar, wie es in empirischen Kinderbeobachtungen von Ainswoorth, Bowlby, Renggli u. a. festgestellt wurde. 3. Der neurobiologische Teil der genetischen Erklärung der Nein-Geste ist wahrscheinlich falsch, so daß der Erwerb der Nein-Geste ausschließlich auf Identifizierungsvorgänge gegründet ist. Die Nein-Geste ist jedoch trotzdem, in Übereinstimmung mit Spitz, als Indikator und als Organisator symbolischer Prozesse wie Urteilsbildung, Denken und Bedeutungsverständnis zu betrachten.
Neben diesen drei Hauptergebnissen enthält das Buch eine Fülle gleichsam nebenbei erledigter Klärungen unklarer Begriffe, wie Organisation, Struktur, Ich und Selbst; zumindest was die Terminologie von Spitz angeht. So wird z. B. die schwierige Frage, ob sich das Ich aus dem Es entwickelt ode