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Wer an der Geschichte der Psychoanalyse oder der Freud-Biographik interessiert ist, wird mit Interesse und Erwartung zu dem schmalen Band greifen, der als Beiheft 7 des Jahrbuchs der Psychoanalyse erschienen ist.
K. R. Eissler legt hier einen Versuch vor, das Verhalten von Jung zu Freud vor allem an Hand des schon lange veröffentlichten Briefwechsels psychologisch, oder, sagen wir es gleich heraus, psychoanalytisch zu interpretieren.
Wie ein Leser von Eisslers Büchern erwarten darf, gibt es zwei Appendices und »Historische Nachgedanken«. Daraus drei Kapitel zu machen, wäre besser gewesen: Das erste, das dem Ganzen den Titel gibt; »Epikrise« als 2., »Ansätze zu einer Pathographie von C. G. Jungs Persönlichkeit« als drittes. Der einzige Appendix enthielte dann die kritische Besprechung des Artikels von C. J. Groesbeck: The Analyst's Myth: Freud and Jung as Each Other's Analyst (Quadrant, 1980). Dabei handelt es sich um eine bewundernswert zurückhaltende, aber deswegen um nichts weniger vernichtende Kritik an dem wieder auftauchenden Gerücht über Freuds angebliches Liebesverhältnis zu seiner Schwägerin Minna Bernays, das Jung ja schon vor 25 Jahren ins Leben gesetzt hat.
Eisslers klinische Ruhe und psychoanalytische Überlegenheit machen auch die Lektüre der ganzen Schrift zum wirklichen Vergnügen. Allerdings ist Jung, wie zu erwarten, ein guter Patient, der nicht nur in den Briefen, die ja nicht zur Veröffentlichung geschrieben wurden, aber erst recht in seinen Erinnerungen von sich soviel enthüllt, daß die Deutung dem Leser von selbst in den Schoß zu fallen scheint. Jedenfalls geht es einem so mit Hilfe von Eissler. Der Autor dieser Besprechung hat sein ganzes Leben lang von C. G. Jung nur gewußt, was aus diesem Buch mit sehr viel Rücksichtnahme auf die vielen noch lebenden Freunde des Mystikers von Küßnacht völlig klar hervorgeht: Daß er ein Lügner und ein zutiefst unanständiger Charakter war. Ich war mit dieser Vorstellung groß geworden, was nur ein weiterer Beweis da