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«Schöne Bücher« zählen heute zu den Seltenheiten eines Buchmarktes, wo das ästhetische Verhältnis zum Medium den ökonomischen Sachzwängen moderner Massenproduktion weichen muß. Nur Kleinverlage, hier der Berliner Verlag Brinkmann und Bose, wagen noch, den Luxus eines »geschmackvollen Rahmens« zum Editionsprogramm zu machen. Mit ihrer Publikation des jüngsten Buches des französischen Philosophen Jacques Derrida haben Brinkmann und Bose jedoch nicht nur ein schönes Buch vorgelegt, sondern zugleich einen verlegerischen Mut bewiesen, der der Risikomüdigkeit vieler deutscher Verlage gegenüber nicht genügend gewürdigt werden kann. Darüber hinaus hat man die Edition der 1980 in Paris erschienenen »La carte postale« mit einem weiteren Reiz auszustatten gewußt: noch vor der Lektüre umfängt den Leser gewissermaßen ein »französisches Flair«, indem man die in Frankreich weitaus länger praktizierte Gepflogenheit wiederaufgegriffen hat, das Buch »unaufgeschnitten« aufden Markt zu bringen. Erst der »Schnitt«, der »Einschnitt« ins Buch verschafft Zugang zum Genuß desselben, und, wie bald deutlich wird, die Wahl dieser Präsentation hat durchaus inhaltliche Relevanz. Apriori wird der Leser bereits auf eine »Übertragungsebene« versetzt, auf der das Buch buchstäblich als »Körper« des Wissens erscheint und die Lektüre jenen symbolischen »Kastrations-/Deflorationsakt« inszeniert, um dessen Geltung Derridas Denken seit geraumer Zeit kreist.
Die »Sendungen«, wie die erste Lieferung der »Postkarte« auch im Untertitel heißt, machen ein in jeder Hinsicht »merkwürdiges«, ja »einzigartiges« Buch aus. Der Eindruck, daß es eigentlich kein (im strengen Sinne) Thema hat, wird bereits auf den ersten Seiten dadurch bestätigt, daß der Leser seine Sinnerwartung als schlechte Angewohnheit, »seine Lektüre zu prädestinieren« (S. 9), zurückgewiesen findet. Rein äußerlich gesehen, folgt auf diese irritierende Vorankündigung eine Sammlung von Briefen, deren Öffentlichkeitscharakter mit dem von Postkarten ver