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Die Psychologie ist im Vergleich zur Medizin eine junge Wissenschaft. Ihr Ausbildungssystem steckt noch in den Anfängen. Es existieren zwar lehr- und lernbare Methoden und Theorien. Die Unterschiede zwischen experimentell empirisch überprüfbarer Psychologie und hermeneutischer Orientierung sind jedoch unüberbrückbar. Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie und Psychoanalyse sind im Hinblick auf Ziele, Methoden und dahinter stehende Theorien jeweils eigenständige wissenschaftliche Ansätze, die sich, allein schon angesichts der unterschiedlichen Fachsprache, nur schwer vergleichen lassen. Allenfalls im Hinblick auf das Wohl des Klienten (im medizinischen Sprachgebrauch: des Patienten) lassen sich Brücken zwischen den Extremen finden. Dies gilt auch für ethische Probleme im Zusammenhang mit Diagnostik, Therapie und Forschung. Das Werk verfolgt, analog dem jüngst erschienenen Buch von Sidney Bloch und Paul Chodoff über »Psychiatric Ethics« zwei Ziele: 1. eine Diskussion über ethische Probleme anzuregen und 2. auf die besonders subtile Problematik der Anwendung psychologischer Methoden hinzuweisen.
Die ethischen Probleme beginnen bei der Diagnostik: Ist es verantwortbar, den Klienten nach der psychologischen Untersuchung mit diversen Tests allein zu lassen, ohne sich darum zu kümmern, welche Ängste oder Kränkungen allein schon durch die Testsituation ausgelöst werden? Wie oft werden heute noch von Psychologen Gutachten über Dritte ohne deren Wissen erstattet? Was heißt es, die Testergebnisse dem Klienten »in angemessener Form« (so die »berufsethischen Verpflichtungen für Psychologen, Berufsverband deutscher Psychologen e. V.«, die ebenso wie die »ethischen Richtlinien der schweizerischen Gesellschaft für Psychologie« im Anhang abgedruckt sind) mitzuteilen? Nach welchen Kriterien richtet sich der Psychologe hierbei?
Über viele Fragen gibt es einschlägige Gesetzesvorschriften, wie über die Aufklärungspflicht, den Anspruch auf Einsichtnahme in die Akten, die Schweigepflicht. D