You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Buch von Lorenz Böllinger entstand auf dem Hintergrund des seit dem 1. 1. 77 in Kraft befindlichen Gesetzes, das »am behandlungsorientierten auf Rückfallverhütung und Resozialisierung zielenden Vollzugs« orientiert ist.
Damit sind notwendig Fragen konzeptueller als auch praktischer Art aufgeworfen: Welche Form von psychischer Krankheit liegt bei Delinquenten vor, welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es, wie sind sie in den »Vollzug« einzubeziehen, wie soll der Täter motiviert werden bei einer resozialisierenden Maßnahme mitzuwirken usw. Diesen Fragen geht Böllinger auf dem Hintergrund der psychoanalytischen Theorie nach. (Andere Konzepte etwa der VT, der Gestaltanalyse u. ä. werden ausgegrenzt, wiewohl der Autor auf die Wichtigkeit einer produktiven Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Richtungen hinweist.)
Dem Psychoanalytischen Laien wird zunächst eine kurze Einführung in die psychoanalytische Persönlichkeitstheorie und Therapie und deren Krankheitsbegriff, bei dem normal und krank nicht dichotomisch, sondern eher graduell unterschieden ist, gegeben.
Da nun auch durch das Gesetz der Blick auf das Gewordensein des Straftäters, der Blick auf den Sinn der Handlungsweise freigegeben ist, stellt dieses Feld eine Herausforderung an die Psychoanalyse dar. Die ausführliche Auflistung aller bisher erprobten Modelle und Konzeptbildungen der Behandlung von Straftätern zeigt, daß das Interesse an der Behandlung und dem Verständnis von Straffälligen schon eine lange Geschichte hat. Die einzelnen Projekte werden nach folgendem Schema referiert: Allgemeine Projektbeschreibung, zu Grunde liegende Theorie, Behandlung, Ausbildung des Personals und Supervision, Selektion der Probanden, Evaluation der Ergebnisse, sofern vorhanden. Die Konzeptbildung in diesem Feld der Behandlung von Straftätern, d. h. der klinischätiologischen Erfassung eines Krankheitsbildes und des daraus abzuleitenden spezifischen therapeutischen Umgangs mit solchen Kranken ist, wie dieser Überblick zeig