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Die analytische Gruppentherapie ist noch immer in gewisser Weise ein Stiefkind in der westdeutschen Psychoanalyse. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Einer ist sicherlich, daß die theoretische Aufarbeitung des Gruppengeschehens bisher weit hinter der der Einzelanalyse zurückbleibt. Selbst die Versuche von S. H. Foulkes, gruppenanalytische Prozesse theoretisch zu erfassen, ließen noch viele Fragen offen. Dabei ist die Praxis der Gruppenanalyse insbesondere in England und Mexiko inzwischen zu einem ausgereiften und brauchbaren Instrument psychoanalytischer Intervention herangereift.
Der ursprünglich aus Berlin stammende, heute in Kalifornien praktizierende Martin Grotjahn läßt in seinem Buch über Analytische Gruppentherapie von dieser Entwicklung nichts ahnen. Er beschreibt Situationen aus seinen Gruppen, wobei er das Niveau der Anekdote allenfalls streift. In seiner Einführung in die Grundbegriffe psychoanalytischer Gruppentherapie bezieht er sich auf Foulkes, Demaré und Anthony, deren Thesen er sehr verkürzt darstellt. Etwa verdeutlicht er die prinzipiellen Unterschiede des Übertragungsgeschehens in Gruppen- und Einzelanalyse. In der Gruppe entfaltet sich zwar — wenn auch in geringerem Ausmaß — die Übertragungsneurose auf den Analytiker, aber auch die Übertragung auf andere Gruppenmitglieder nach dem Muster der Familienneurose und als Drittes die Übertragung auf die Gruppe als Ganzes nach dem Vorbild der Beziehung zur präödipalen Mutter. Damit ist der Teil, den man gutwillig als theoretisch bezeichnen könnte, auch bereits beendet. Zwar streut der Autor in seine folgenden Ausführungen gelegentlich Erläuterungen zur Technik der Gruppenanalyse ein — etwa die Handhabung von Deutungen oder den Umgang mit Träumen im Gruppenprozeß —, doch dominieren allzu häufig wiederholte Mitteilungen über persönliche Vorlieben und Abneigungen Martin Grotjahns. Dabei ergeben sich viele Widersprüche. Mal ist er der Meinung, die Patienten sollten sich ohne vorherige Einzelbehandlung der