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Die Reaktionsmuster sind uns vertraut: irgendwo in der Bundesrepublik kommt es zu antisemitischen Vorfällen, werden neonazistische Aktivitäten registriert — und zweierlei geschieht: zahlreiche, zumeist jüngere Bundesbürger formieren sich an Ort und Stelle zum Protest, demonstrieren, kleben Plakate, verteilen Flugblätter —: der Antifaschismus der Aktivistenfraktion, wie es zuweilen abfällig heißt. Presse und Politiker hingegen beklagen Versäumnisse des Schulunterrichts, sprechen sich für verstärkte Informationstätigkeit aus. Man könnte sagen: der Antifaschismus der Aufklärergruppe. Die Aktivisten haben den Gegner im Blick, die Aufklärer die Gründe, und beide Gruppen, so scheint es, zur Bekämpfung neonazistischer Tendenzen sinnvolle und sinnvoll sich ergänzende Strategien. Doch bleiben Protestdemonstrationen der geschilderten Art nicht eigentümlich fixiert auf bloße Erscheinungsformen des Neofaschismus? Und stellen die Aufklärungsrufe der anderen nicht merkwürdig kurzschlüssige Forderungen dar? Ist gesteigerte Informationstätigkeit tatsächlich das einzige, zumindest wirksamste Mittel, wenn es um die Gründe geht? Und der Faschismus der Neonazis vor allem Resultat ihrer Unwissenheit?
Schon der erste Blick auf rechtsextremistische Aktivitäten, so meint man, müßte eigentlich eines Besseren — oder vielmehr: Schlimmeren! — belehren: hier sind nicht Uninformierte tätig, nicht einmal nur einseitig Informierte; hier agieren Altere wie Jüngere zumeist in voller Kenntnis dessen, was im Dritten Reich geschah, ja mehr noch nach dessen Vorbild — bis hin zur überinformierten Imitation seines Hauptakteurs Adolf Hitler. Die neuen Nazis müssen über Auschwitz nicht erst aufgeklärt werden; schon ihre Witze zeugen davon. Warum dann aber diese Betonung von Intellekt und Informationsmaßnahmen in Presse und Politikerreden?
Freilich, auch bei den antifaschistischen Demonstrationen scheint ein merkwürdiger Verschiebungssmechanismus am Werk: nicht — wie bei den Aufklärern — weg von den psychologi