You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Kritik an der Entwicklung der psychoanalytischen Theorien und Organisationen, die sie am Original der Sache, an der Freudschen Aufklärung mißt, ist vier bis fünf Jahrzehnte alt. In der heutigen Auseinandersetzung mit bestimmten psychoanalytischen Institutionen und bestimmten Psychoanalytikern wird sie nicht generiert, sondern aktualisiert. Wer gegen »Konzepte« sich wendet, wendet sich immer auch gegen Menschen, die ihre Praxis mit Hilfe jener »Konzepte« sich zurechtlegen. Auch die Kritik an »Institutionen« meint stets die Menschen, die in und von jenen Institutionen leben, die zu deren lebendem Inventar geworden sind, also (mehr oder weniger) gemäß der Logik von Institutionen sich verhalten. Die »Gesellschaft« ist ein Phantom, wenn darunter nicht die in bestimmter Weise assoziierten Individuen gedacht werden. Und eben darum ist der »Gegenstand«, mit dem die Freudsche Psychoanalyse es zu tun hat, nicht nur der einzelne Patient, nicht die Familie, auch nicht die Masse. Gegenstand der Psychoanalyse sind vielmehr die in die widersprüchliche Kulturgeschichte eingelassenen, sie rekapitulierenden und repräsentierenden Lebensgeschichten von Individuen. Darum fällt die populäre Vorstellung, Freud habe sich mit Neurosen einzelner Patienten beschäftigt und sein in dieser Sphäre (der »Repräsentanzen« von Dyaden und Triaden) erworbenes Wissen dann sekundär auch auf »kollektive« Phänomene »angewendet«, weit hinter das von ihm erreichte Niveau der Problemstellung zurück.
In der Frühzeit der psychoanalytischen Bewegung, die manchen heutigen Psychoanalytikern nun schon so fern gerückt ist, daß sie sie die »Vorzeit« nennen, waren die Männer und Frauen um Freud »kulturrevolutionär« gestimmt. Sie entdeckten die Soziogenese von als »natürlich« verkannten Phänomenen; sie entdeckten, daß die (historisch modifizierte) Menschen-Natur nicht dem Bilde entsprach, das ihre Zeitgenossen sich davon machten; sie entdeckten, daß die Menschen zwar in der Regel zu wiss