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Einer Kunst, die unter Psychoanalytikern einst in Blüte stand, droht der Niedergang. So die Diagnose, die Helmut Dahmer formuliert in einer einleitenden Notiz zu dem dritten Heft der Psyche »In memoriam Alexander Mitscherlich« (10/1983). Gemeint ist die Kunst, die Lebensgeschichte von Patienten in Fallgeschichten zu dokumentieren: »Den analytischen Dialog mit seinen Stockungen, Ödstrecken und Peripetien ebenso zu schildern wie die um die rekonstruierte Geheimgeschichte ergänzte Vita von Patienten, ist die Aufgabe von Fallgeschichten. Die Fähigkeit, solche zu erzählen, die als Privatgeschichten Novellen (also mehr als bloße Beispiele bekannter Pathologien) sind und denen eben darum exemplarische Bedeutung für das Selbst- und Weltverständnis der Zeitgenossen zukommt, hat sich zurückgebildet.« Und so treffend wie diese Diagnose ist die von Dahmer skizzierte Ätiologie: »Im Versiegen der Literaturgattung »Fallgeschichte« machen sich in der »veralteten« Psychoanalyse gesellschaftliche Veränderungen geltend, die ihrem Fortbestand nicht günstig sind. Es scheint, als seien die Therapeuten des Zusammenhangs des Lebens ihrer Patienten so wenig gewiß wie diese selbst.« Ausgehend von einer solch konzisen Formulierung wäre die Geschichte vom Niedergang des Genres Fallgeschichte zu schreiben.
Denn in der Tat: Die Mehrzahl der heute publizierenden Psychoanalytiker neigt dazu, vorformulierte Theoreme anhand kurzer Falldarstellungen lediglich zu veranschaulichen — statt im Zuge ausführlicher Fallbeschreibungen die theoretische Erörterung selber Schritt für Schritt voranzutreiben. So droht denn die Fallgeschichte zunehmend zu einer Domäne populärwissenschaftlicher Autoren zu werden, die mit einer breiten Leserschaft liebäugeln — oder aber es sind die Analysanden selber, die zur Feder greifen, um die Mäander ihrer Analyse nachzuzeichnen. Wanderjahre auf der Couch…
Gewiß haben Bücher wie etwa Marie Cardinals »Schattenmund« oder Hannah Greens Bericht »Ich habe dir nie einen Rosengarten ver