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Das vorliegende Buch ist so interessant und anregend, daß der Rezensent die wesentlichen Inhalte des Buches nicht nur wiedergeben, kommentieren und evaluieren möchte. Er möchte das Buch vielmehr zum Anlaß nehmen, einige grundsätzliche Fragen zur Theorie und Praxis der Familiendynamik aufzuwerfen: Welche methodischen Unterschiede bestehen zwischen Psychoanalyse und Familientherapie? Wie unterscheiden sich die theoretischen Konzepte? Auf welche Gegenstände konzentrieren sich die beiden Therapieverfahren? Und schließlich: Handelt es sich bei Familiendynamik und Familientherapie wirklich um ein neues Paradigma oder läßt sich mit Familien auch im Rahmen von psychoanalytischer Methode und Theorie arbeiten?
Zunächst aber zu den wesentlichen Inhalten des Buches: Im ersten grundsätzlichen Abschnitt wird der Anspruch erhoben, eine Familienpsychosomatik zu schaffen, die die »Krankheit in ihrem Kontext sieht« (S. 18). Ein erweitertes Konzept unter Einschluß von Systemtheorie, Kommunikationsforschung und holistischem Ansatz wird anstelle des bisherigen rein psychoanalytisch orientierten Vorgehens gefordert. Das zweite Kapitel betont die » gesellschaftliche(n) Wirkungen auf Entstehung und Verlauf körperlicher Krankheiten« und damit »die sozio-kulturelle Dimension« psychosomatischer Symptombildungen. Im dritten Kapitel werden die psychoanalytischen Konzepte (als »seelische Dimension«) (S. 40 f.) behandelt, wenn auch, wie ein weiteres, viertes Kapitel zeigt, die »interpersonale Dimension psychosomatischer Symptombildungen« und damit die »familiendynamische(n) Konzepte« ganz eindeutig im Sinne eines neuen Paradigmas im Vordergrund stehen.
In dem nunmehr geschaffenen Rahmen werden im fünften Kapitel die wichtigsten Teile der Habilitationsschrift Michael Wirschings referiert, nämlich die Ergebnisse einer empirischen Studie mit zwei Gruppen von Familien, wovon die eine bei n = 29 aus Familien mit einem an Allergie erkrankten Patienten und die andere Gruppe bei n = 26 aus Familien mit ein