You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Eine kühne Überschrift, für die sich die Übersetzer des 1976 unter dem Titel »L'hystérique, le sexe et le médecin« erschienenen Buches entschieden haben — etwas reißerisch, aber treffend und vor allem: dem Inhalt angemessen. Denn genau darum geht es Israël: zu zeigen, daß die Hysterie anders ist als man (die Wissenschaft, die Öffentlichkeit) glaubt, daß sie ein Kampf ist für Verhältnisse, in denen Leben und Lieben der Langeweile, dem Scheinhaften, Narzißtischen, entrissen werden.
Der Autor ist Professor an der medizinischen Fakultät der Universität Straßburg, engagiert in der Ausbildung von Ärzten, und Analytiker. Als Mitglied der »Ecole Freudienne« stand er in engem Kontakt mit Jacques Lacan.
Aber wer nun erwartet, daß Israël so schreibt wie die meisten, die sich auf Lacan berufen, täuscht sich: Er hat einen eigenen Stil, offen, direkt, humorvoll, oft sarkastisch. In jedem Satz ist seine Erfahrung spürbar, aus der er schöpft. Es gibt deshalb keine Deduktion von der Theorie zur Praxis, kein ängstliches Sich-imvoraus-Versichern, daß jede Erfahrung ihren Platz im Netzwerk der Theorie hat. Umgekehrt: Die erfahrungsnahe Sprache eröffnet immer wieder die Möglichkeit, das Theoretische zu überdenken, neu zu begreifen. Ist das nicht »lacanischer« als der Versuch, den Meister zu kopieren?
Das Buch, dessen Übersetzer sich eng an das französische Original hielten, ist wie folgt gegliedert: Nach einführenden historischen Betrachtungen über die Hysterie, wie sie in den Zeiten vor Freud aufgefaßt wurde, folgt der 1. Teil »Kritische Symptomatologie« (im Französischen steht »sémiologie critique«). Israël beschreibt darin die Symptome und den hysterischen Charakter — für beide Geschlechter —, wobei er die Hysterie als Beziehungsmodus auffaßt, der in den Konversionssymptomen unbewußte Botschaften enthalte. Der 2. Teil »Hysterie und Geschlechtsunterschied« (hier weicht die Übersetzung ab, denn französisch heißt es »le sexe et l'hystérique«) befaßt sich mit den auftretenden Störungen und