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Ist es möglich, in vernünftiger Rede sich einer Angst so anzunehmen, daß sie nicht wegerklärt wird, sondern daß mit ihrem Realgrund auch die Wünsche bewußt werden, zu deren Verdrängung sie treibt? Ein Umgang mit der Angst, der sie nicht als dämonische Bedrohung aus dem Gebiet des Besprechbaren hinausdrängt, der sie ebenso wenig als Struktur menschlichen Existierens festbannt, wäre die Sache von Solidarität.
Ist es möglich, der Solidarität eine gleichsam vertragliche Konstitution zu geben, deren Einhaltung jene garantiert? Ist Solidarität systematisierbar? Oder muß sie sich gerade als die Fähigkeit erweisen, Rede- und Handlungsformen aufzuheben, die die Angst zur Sprachlosigkeit verdammen, sie dem dann isolierten Individuum überlassen? Was ist auf eine Kollektivität zu geben, die Angst aus ihrem Medium ausschließt?
Ist es möglich, Angst und Solidarität als Subjekt ebenso wie als Objekt von Theorie zu entwickeln?
Im Namen der durch diese Fragen angezeigten Probleme unternimmt Sigrun Anselm in ihrer ebenso kenntnisreichen wie durchdachten Arbeit den Versuch, das Thema »Angst und Solidarität« als das Kriterium zu zeigen, an dem sich Gelingen und Mißlingen von Aufklärungsprozessen entscheiden. Wie greift Rationalität in die Erfahrung ein, wenn diese doch von Angst durchsetzt ist? Oder ist Rationalität eine angstgeleitete Verbannung der Angst? Gehört Angst vor der Angst zu ihrer Begründung?
Von Vernunft wird nicht ohne die Hoffnung gesprochen, den Menschen ihre Angst zu nehmen. Dem Zusammenhang zwischen dem Vernunftbegriff der europäischen Aufklärung und der Angst widmet Sigrun Anselm die Einleitung ihrer Abhandlung. Die Aufklärung setzt die Vernunft des Menschen mit seiner