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Das Buch handelt von der Geschichte der psychoanalytischen Theorie und zeichnet den Weg ihrer Institutionalisierung nach. Zur Diskussion steht: Was ist psychoanalytische Theorie, und wie verhält sich der praktizierende Analytiker zu ebendieser Theorie. Da keine andere Wissenschaft derart mit der Persönlichkeit ihres Begründers verknüpft ist, wurde der Person Freuds seit jeher besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Roustang leistet keinen weiteren Beitrag zur Freud-Biographik; ihn interessiert vielmehr die Beziehung zwischen dem »Vater« der Psychoanalyse und einigen seiner wichtigsten Schüler. Der Autor spielt mit der Vielschichtigkeit des französischen »disciple«. Das Wort bedeutet erstens Schüler, zweitens — mit kirchlich-hierarchischem Anklang — Anhänger, Nachfolger, Jünger und drittens »der zur Disziplin (im Sinne von Zucht, Ordnung) gebrachte«.
Roustang untersucht die Korrespondenz Freuds mit Jung, Abraham, Tausk und Groddeck unter der Fragestellung: Lassen sich aus den Umgangsformen und Verhaltensweisen der ersten Analytikergeneration Strukturen herausdestillieren, die sich in den heutigen psychoanalytischen Institutionen wiederholen?
Der Titel läßt ahnen, daß den Leser nicht ein nüchternes, wissenschaftliches Buch erwartet, sondern eine der französischen Essay-Tradition verpflichtete, geistreich-eloquente Abhandlung. Die Titelzeile ist ein Zitat aus Lacans Seminar über E. A. Poes »Der entwendete Brief«. Roustang weist damit auf seine geistige Herkunft hin und bezeichnet das Thema der Signifikantenkette, von der Lacan in dieser Arbeit spricht, als Gegenstand seines Buches. Ferner gestattet er dem Leser, da er nirgends explizit auf seinen Titel Bezug nimmt, die Lust an der Detektivarbeit, von der schon Poes außerordentliche Geschichte handelt.
Das erste Kapitel ist nach einem Zitat aus einem Brief Freuds an Groddeck »la horde sauvage« überschrieben; im deutschen Original steht allerdings nicht, wie zu erwarten, »Urhorde«, sondern »wildes Heer«1. Gemeint sind die Anhäng