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Sigmund Freud hatte schon 1895 bemerkt, wie eigentümlich es ihn berühre, »daß die Krankengeschichten, die ich schreibe, wie Novellen zu lesen sind und daß sie sozusagen des ernsten Gepräges der Wissenschaftlichkeit entbehren«. Nun hat D. M. Thomas einen Roman im Stil einer Krankengeschichte Freuds geschrieben und zeitgeschichtlich ausgeschmückt. Er erfindet den Bericht einer Analyse, wie sie Freud seiner Meinung nach durchgeführt haben könnte. Ihr stellt er ein Journal voran, in dem die Patientin, die sinnigerweise Anna G. genannt wird, ihre sexuellen und aggressiven Phantasien fiktiv schildert und das als Einstieg in die Analyse dient. Das Buch wird abgerundet durch einen dritten Teil, der den weiteren Lebensweg der Patientin beschreibt und zugleich den Behandlungsbericht mit zeitgeschichtlichen Ereignissen, mit der im Europa nach dem Ersten Weltkrieg vorherrschenden Atmosphäre der »Hilflosigkeit, Dekadenz und Neuorientierung« (so der Klappentext) verknüpfen soll.
Leider hat sich der Autor überfordert. Er macht Anleihen quer durch die Krankengeschichten Freuds, ohne dessen klinische und behandlungstechnische Entwicklung zu beachten. Fleißig hat er Freuds Fallberichte und die Neurosenlehre zur Hysterie studiert und zitiert. Da tauchen, beliebig zusammengewürfelt, Facetten aus den »Studien zur Hysterie«, aus den Berichten über Dora und den Wolfsmann auf, die Thomas in immer neuen Versatzstücken zusammenfügt. Im Roman sucht eine russische Opernsängerin, die an konversionshysterischen Schmerzen leidet, auf Anraten ihres Hausarztes Freud auf. Sie ist überhaupt