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»Die Tätigkeit des Scheidens ist die Kraft und Arbeit des Verstandes … Die kraftlose Schönheit haßt den Verstand, weil er ihr dies zumutet, was sie nicht vermag« (Hegel, 1807, S. 36).
Aber es muß geschieden werden. Wo die Dinge heillos durcheinandergeraten, wo alles mit allem vermengt wird, wo Tatsachen und Deutungen in einen Topf geworfen werden, wo historische Sachverhalte und privates Unbehagen sich mischen: Dort hat Aufklärung keine Chance mehr.
Einige deutsche Psychoanalytiker haben in der letzten Zeit bestürzende Zeugnisse dafür geliefert, wie die Sache der Psychoanalyse — Erinnern und Durcharbeiten — von ihren vermeintlichen Sachwaltern an die Gegenaufklärung ausgeliefert wird (vgl. die vorstehend abgedruckten Zitate aus Leserbriefen und die Dokumentation »Psychoanalyse unter Hitler«). Zwei Hefte der Psyche, die das Schicksal der Psychoanalyse im Dritten Reich zum Thema hatten (11/ und 12/), haben genügt, bei vielen Analytikern einen Affektsturm auszulösen, dessen aggressive Heftigkeit eine Ahnung davon vermittelt, wie man mit der Aufklärung umzugehen gedenkt — sie soll ausgegrenzt und damit mundtot gemacht werden. Angeprangert werden die, die schlechte Nachrichten überbringen, nicht die Akteure, von denen berichtet wird. Selten konnte man die psychischen Mechanismen der Verleugnung und Projektion so isoliert betrachten wie hier.
Von Hegel bis Marx, von Nietzsche bis Freud war es das Ziel der Aufklärung, »von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen« (Horkheimer und Adorno, 1947, S. 9). Kraft und Arbeit der aufklärerischen Vernunft galten der Unterscheidung von Tatsachen und Fiktionen, von Wissenschaft, Glaube und Mythologie, von Erkenntnis, Ressentiment und Vorurteil. Noch da, wo, wie bei Freud, auch die selbstdestruktiven Tendenzen der Aufklärung in den Blick kamen1,