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In Freiburg treffen sich seit 1975 alljährlich praktizierende Analytiker, Kliniker und Literaturwissenschaftler zur »Arbeitstagung Psychoanalyse und Literaturwissenschaft«, die von den Psychoanalytikern J. Cremerius und F. Wyatt, von den Germanisten W. Mauser und C. Pietzcker organisiert wird. Der Freiburger Kreis hat mit seinem fruchtbaren literaturkritischen Ansatz einen Ruf in Deutschland erlangt; seine Tagungen ziehen immer mehr Teilnehmer aus dem In- und Ausland an. 1981 begründeten die vier Organisatoren mit der Reihe »Freiburger Literaturpsychologische Gespräche« ein Forum des interdisziplinären Dialogs über die Literaturpsychologie, das mit Ergebnissen und Kontroversen der Tagungen bekanntmachen will — auch über den engen Kreis der Fachelite hinaus. Drei Bände dieser Reihe sind bereits erschienen.
Die erste Folge mit neun zur Publikation überarbeiteten Vorträgen (mit Bibliographie und dokumentarischem Anhang) wurde von Wyatt besorgt, der als homme de lettres jenes Ursprungsklima der Wiener Psychoanalyse verkörpert, in dem Literatur und Psychologie so eng verflochten waren. In seiner Einleitung steckt er Möglichkeiten und Grenzen psychoanalytischer Hermeneutik ab und mahnt zum »methodischen Zweifel«: »Jede M ethode der Literaturkritik ist nur dann ernst zu nehmen, wenn sie ständig daran ist, ihre eigenen Voraussetzungen in Frage zu stellen … Denn nur so ist dem Dogmatismus abzuhelfen.« Die Dialogpartner haben unterschiedliche Erwartungen an die Methode. Die Literaturwissenschaftler arbeiten an einem Explikationsmodell, das bisher ungeklärte Zusammenhänge oder Brüche der Werkstruktur deuten kann: aus ödipalen Konflikten (Mäuser) oder aus dem präödipalen Narzißmus (Schwab, Schönau). Psychoanalytische Deutung will unter der gemeinverständlichen Textoberfläche der Literatur eine latente Tiefenstruktur freilegen, wo das Unbewußte spricht: in Verdrängungen, Ängsten, Aggressionen, Wünschen, Ambivalenzen oder in prototypischen Phantasien, wie Initiations- und Geltungs