You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Tilmann Moser stellt ein Stück Geschichte zweier Menschen dar, die versuchen, eine Ehe zu leben, obwohl sie beziehungs- und partnerschaftsunfähig sind. Sie müßten zuerst Identität und Autonomie, eine stabile Selbstgefühlssituation für sich herstellen, um die Voraussetzung für eine Objektbeziehung zu haben. Statt einer befruchtenden Beziehung zwischen zwei Personen entsteht ein gegenseitiger Gebrauch und Mißbrauch des Partners, um den eigenen Mangel zu beheben und zu kompensieren, und eine Wiederholung von Traumatisierungen, die in einer unguten Symbiose, in Verletzungen und Schlägen und letztlich einer äußerlich und notdürftig hergestellten Abgrenzung durch getrennte Wohnungen endet. Auf diesem Hintergrund bedeutet die Trennung Isolierung ohne Chance einer echten Wiederannäherung, denn die alten, notdürftig geschlossenen Wunden würden bei einer Wiederannäherung wieder aufbrechen. Ein gemeinsames Kind entlastet und fixiert diesen pathologischen Ausgang. Während sich das Paar, das am gemeinsamen Versuch eines Neuanfangs gescheitert ist, sich nun Phantasien hingibt, noch einmal neu zueinander finden zu können, verpaßt es die eigene Entwicklungs- und Identitätsbildungschance als Eltern. Real sind beide schlechte Eltern, die die Erfahrung von Lieblosigkeit an die nächste Generation weitergeben. Die Energie der »Liebenden« fließt in die Abwehr der Wahrnehmung der eigenen Verantwortungslosigkeit, Begrenzung und Schuld.