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Unbehagen an der Psychoanalyse: In der Regel hat auch sie die soziale Diskriminierung der Homosexuellen und der Perversen durch eine wissenschaftliche Diskriminierung der Homosexualität fügsam ergänzt und legitimiert. Ohne den Begriff »perverser« Homosexualität wäre der der »normalen« Heterosexualität sinnlos. Beide sexuellen Spielarten sind im Spektrum menschlicher Sexualität wechselseitig aufeinander bezogen. Im prekären Umgang der Psychoanalyse mit den »Perversionen« verdeutlicht sich ihr prekärer Umgang mit Sexualität überhaupt, ihrem ureigensten Thema.
Doch wie man (mit Martin Dannecker) strikt zwischen den Kategorien »Homosexualität« und »der Homosexuelle« unterscheiden muß, so sind auch »Psychoanalyse« und »der Psychoanalytiker« durchaus zweierlei. Zu den ehrlichsten Begründungen für das Berufsverbot für Homosexuelle, die die Stirn haben, Psychoanalytiker werden zu wollen, gehörte kürzlich das Eingeständnis eines Chefpsychoanalytikers: das brächte die Lehranalytiker mit ihren eigenen, noch unanalysierten homosexuellen Anteilen nur durcheinander. Nicht die Homosexuellen sind pervers, sondern die Psychoanalytiker kehren ihre eigenen »Perversionen« unter die Couch. Weil sie sozial sanktioniert sind. Konsequent haben die Psychoanalytiker diese Sanktion dann auch über das psychische Phänomen »Homosexualität« verhängt. Die unbewußte Psychologisierung des Sozialen ist ein soziales Problem, und in diesem geschichtlichen Sinne ist »Homosexualität« primär ein soziales und politisches Phänomen.
Dabei war die Psychoanalyse ursprünglich die erste Methode wissenschaftlicher Erkenntnis und therapeutischer Praxis, die die Einsicht gestattete, daß die Problematik der Homosexualität nicht auf die der manifest Homosexuellen eingeschränkt ist. Freud glaubte erkannt zu haben, daß der Mensch ursprünglich bisexuell,