You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Dieses Buch verspricht eine »systematische Kritik der Gruppendynamik, die das ganze Spektrum … umfaßt«. »Angesprochen ist der Leser, der sich von methodisch praktizierter Gruppendynamik eine Bereicherung seiner Lebensqualität verspricht; ebenso derjenige, der bereits positive oder negative Erfahrungen in Gruppen-Veranstaltungen sammeln konnte, sowie auch derjenige, der sich von der Flut der meist unter kommerziellen Gesichtspunkten verfaßten »Spielanweisungen« ebenso im Stich gelassen fühlt wie von »außen geleiteten«, dogmatischen und allgemein vorgebrachten »kritischen« Einwendungen und Bedenken« — ein Buch für jedermann also.
Die Beiträge sind durchweg kritisch angelegt. Die Zeit der großen Euphorie, mit Gruppendynamik einen Passepartout für die Identitätsprobleme subjektiver und sozialer Art, wie sie in entwickelten Industriegesellschaften auftreten, gefunden zu haben, ist mittlerweile verflogen, die naive Begeisterung für ein universales Medium der Selbstreflexion, Therapie und Problemlösung einer etwas nüchternen Betrachtungsweise gewichen — zumindest unter den »etablierten« Vertretern der Zunft, die in diesem Band zu Wort kommen. Alle Beiträge betonen die Grenzen der Gruppendynamik: Molter kritisiert die mangelnde Berücksichtigung der Übertragbarkeit von Lab-Effekten auf Normal-Realität, in den Aufsätzen von Fritz, Krämer und Doppler/Voigt wird aus verschiedenen Perspektiven die Instrumentalisierbarkeit von auf Techniken reduzierter Gruppendynamik für partikulare Interessen betont. Giere untersucht den Umgang mit realen Machtverhältnissen; in allen Aufsätzen wird Ideologiekritik betrieben — so in Petzolds Text über das »Hier-und-Jetzt«-Konzept und in Bornemans umfassenden Verdikt: »Die Welt ist nicht psychotherapeutisch, sondern nur politisch veränderlich … Da wirft uns jede Illusion, daß wir sie mit gruppendynamischer Therapie verändern oder mit gruppendynamischer Praxis »verbessern« können, um Jahrzehnte zurück« (Borneman, S. 116). Damit einher geht eine gena