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Es gibt literarische Werke, mit denen man sich sein ganzes Leben beschäftigen kann, weil sie soviel verschiedenartiges und faszinierendes Phantasiematerial verbergen, daß der Interpret im Laufe seiner eigenen Entwicklung immer wieder Neues darin finden kann. Der Freiburger Germanist Carl Pietzcker entdeckte 1968 die Fruchtbarkeit des psychoanalytischen Ansatzes im Zusammenhang mit dem erdichteten Traum aus Jean Pauls »Siebenkäs«, dem 1. »Blumenstück« mit dem Titel »Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei«. Mit diesem Text hat er sich dann immer wieder auseinandergesetzt, er hat anhand dieser Dichtung die psychoanalytische Textinterpretation gelernt und gelehrt und nun legt er die Ergebnisse seiner langjährigen Beschäftigung mit diesem literarischen Traum als eine Einführung in die Psychoanalyse des literarischen Kunstwerks vor. Geschrieben wurde sie in erster Linie für Literaturwissenschaftler, die die Textdeutungen von Analytikern unbefriedigt ließen, weil sie den Kunstcharakter und die literarhistorischen Aspekte zu sehr vernachlässigten. Um das gleich vorwegzunehmen: eine Einführung ist das Buch insofern, als es, didaktisch geschickt, Einwände antizipierend und gängige Bedenken widerlegend, die einzelnen Schritte der Texterklärung methodisch begründet und klar vorführt. Es gibt aber keine Übersicht über andere Richtungen und Verfahren innerhalb der Literaturpsychologie und es vertritt in manchen noch umstrittenen Punkten eine dezidiert eigene Position. Eine »Psychoanalytische Literaturwissenschaft«, in die Pietzcker hier einführt, ist auch noch erst im Entstehen begriffen, ihre Verfahren und deren wissenschaftliche Begründung sind noch in statu nascendi und dementsprechend kontrovers. So betrachtet Pietzcker die Psychoanalyse als »konstitutiv für den wissenschaftlichen Umgang mit dem literarischen Werk« (S. 10). Sie ist in seinen Augen also nicht als Hilfswissenschaft, sondern als Fundament einer künftigen Literaturwissenschaft einzustufe