You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Wer Informationen zum Thema Psychiatrie-Reform sucht, stößt immer wieder auf den Namen Franco Basaglias. Mit seiner Person verbindet sich eine Bewegung, die dazu geführt hat, daß in Italien die psychiatrischen Anstalten allmählich aufgelöst werden und die Patienten über ein neuartiges System ambulanter Dienste versorgt werden sollen. Die Psychiatrie-Reform ist dabei nur der Anfang einer allgemeinen Reform des Gesundheitswesens. Warum in Italien etwas möglich ist, das hier geradezu undenkbar scheint, ist recht gut aus beiden Büchern zu lernen.
Klaus Hartungs Buch ist ein sehr persönlicher Erfahrungsbericht, dem nicht immer leicht zu folgen ist, weil Hartungs Erfahrungen im Umgang mit den psychisch Leidenden anscheinend andere waren als seine vorher bestehenden Konzepte über die Ursachen dieses Leidens. Dies wird aber im Text nicht deutlich ausgesprochen; es ist nur indirekt spürbar. Immerhin besitzt Hartung so viel Ehrlichkeit, auch über fehlgeschlagene Versuche der Rehabilitation psychisch Kranker zu berichten. Dadurch gewinnt das Buch sehr an Qualität. Das von Th. Simons herausgegebene Buch enthält erste Berichte über die Resultate der Reform und Darstellungen über die gesetzlichen und organisatorischen Änderungen zur allgemeinen Reform des Gesundheitswesens.
Hartung versucht, die Geschichte der »Zerschlagung des Irrenhauses« aufgrund seiner eigenen Erfahrungen als »Freiwilliger der Triester Psychiatrie-Klinik San Giovanni, deren Direktor Basaglia seit August 1971 war, darzustellen. Freiwillige oder Volontäre, das waren Ausländer oder italienische Studenten, die einer Art Psychiatrie-Tourismus huldigten, wobei die Mehrzahl der italienischen Jugendlichen hoffte, auf diese Weise eine Arbeitsstelle zu bekommen« (Hartung, S. 28). »Die Volontäre bekamen kostenlose Unterkunft und Mahlzeiten, im Durchschnitt arbeiteten sie zwischen drei Monaten und einem halben Jahr. Sie hatten großen praktischen Spielraum und konnten autonom entscheiden, was sie mit einem Patienten machten