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Bernd Nitzschke hat kürzlich die — von ihm so bezeichnete — »Geschichte vom Es« einen »(wissenschaftlichen) Skandal« genannt (Nitzschke, 1983, S. 769). Die Anklage basiert auf folgenden Thesen:
Die psychoanalytische Literatur ignoriert seit sechzig Jahren Vorgeschichte und Herkunft des Wortes Es, »Es großgeschrieben«. Sie beschränkt sich auf die Wiedergabe des von Freud in »Das Ich und das Es« (1923) gegebenen Hinweises auf Groddeck und Nietzsche als Vorläufer (Nitzschke, 1983, S. 792). Freuds Hinweis auf Nietzsche ist ohne genaue Stellenangabe geblieben. Die bisherige psychoanalytische Literatur hat sie nicht nachgereicht.
Das »Es« kommt bei Nietzsche gar nicht vor. Jedenfalls hat B. Nitzschke das »Es« nicht gefunden (Nitzschke, 1983, S. 778). Die Wahrscheinlichkeit, daß es dennoch existiert, schätzt er gering ein.
Freud hat Groddeck das Verdienst der Priorität im Gebrauch des »Es« nicht zugestehen wollen und darum Nietzsche als Vorläufer genannt (Nitzschke, 1983, S. 773 und 783).
Mit dem fälschlich Nietzsche zugeschriebenen »Es« hat Freud von Eduard von Hartmann, bei dem das Es in der Tat vorkommt, ablenken wollen, damit nicht aufgedeckt werde, wieviel Freud diesem Autor verdankt (Nitzschke, 1983, S. 798).
Freud und seine Nachfolger haben die wissenschaftshistorische Kontextabhängigkeit der psychoanalytischen Theorie nicht hinreichend kenntlich gemacht. Die »These von der Selbstzeugung der Psychoanalyse, die dem Haupte Freuds entsprungen sei« (Nitzschke, 1983, S. 792), ist eine Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse.
Zunächst einmal ist Nitzschkes Meinung, die so zusammengefaßte Argumentation falle, sofern man das »Es« in Nietzsches Schriften doch auffinden könne, wie ein »Kartenhaus« in sich zusammen (Nitzschke, 1983, S. 769), unrichtig. Daß das »Es« bei Nietzsche tatsächlich vorkommt, wirft vielmehr ein Schlaglicht auf die in These (5) behauptete Kontextabhängigkeit der Freudschen Theorie. In der psychoanalytischen Literatur wird — von wenigen Ausnahmen in jüngster