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Dieses Buch eines bekannten amerikanischen Psychiaters über Hamlet ist ein ausgezeichnetes Fallbeispiel dafür, wie, erstens, eine strukturale Modellierung des untersuchten Materials die verwendeten psychoanalytischen Begriffe zu reinen Verkodungselementen, zu Chiffren verblassen läßt — wenn auch ein ansprechendes, ähnliche behavioristische Modelle an Komplexität um einiges übertreffendes Beziehungsmuster angeboten wird —, und, zweitens, ein nur eruditives Ausbreiten der eigenen wissenschaftlichen Disziplin qua spezifische Fragestellung und Methode fremder, in deren materiellen Objektbereich aber weit hineinragender Erkenntnisse zu einem gelehrsamen Amalgam, einer kenntnisreichen, vielleicht der kenntnisreichsten (wie im Klappentext deklariert) Materialsammlung, nicht aber zu einer erkenntnisreichen, geschweige zu der erkenntnisreichsten Analyse zu diesem Thema führt.
In einem symphonischen Arrangement läßt Lidz in der Ouvertüre, der Einleitung also, alle Themen anklingen: die Beziehung zwischen Mythos, Drama und Psychoanalyse; Freuds und Ernest Jones' Deutungen; Werthams Hervorhebung des Muttertötungswunsches, damit der paradigmatische Stellenwert des Orestes des Euripides und die Ergänzung um das Thema inzestoider Geschwisterliebe; von letzterem Thema dann der weitere Schritt zum Anteil der Familie am Zustandekommen psychischer Konflikte; von den intrafamilialen Bedingungen zum interfamilialen Konflikt in »Hamlet«; von dieser Beziehungsstruktur wird die dramatische Struktur des Stückes neu begründet, um dann zu einigen Themen überzugehen, die in der weiteren Entfaltung nicht mehr aufgenommen werden — eine in sich unvollendete Symphonie somit — wie Stilanalyse und Psychoanalyse, Metaphorik und schließlich ein kurzer biographischer Hinweis auf Shakespeares im Entstehungsjahr des Hamlet verstorbenen Sohn Hamnet.
Die Erwartung einer Symphonie wird dann nach Beendigung der Lektüre nicht nur deshalb enttäuscht, weil, wie gesagt, einige der in der Einleitung gespielten Mot